Generative Künstliche Intelligenz verändert den Journalismus grundlegend und wirft angesichts sinkenden Vertrauens in Nachrichtenmedien Fragen nach Transparenz und dem Umgang mit KI-generierten Inhalten auf. Der EU AI Act reagiert hierauf mit Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte, von denen journalistische Beiträge unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen sind. Angesichts des in Umfragen dokumentierten Wunsches der Bevölkerung nach einer Kennzeichnung untersucht die vorliegende Arbeit, wie unterschiedliche Formen der KI-Kennzeichnung die Wahrnehmung und das Nutzungsverhalten gegenüber politischen Nachrichtenposts auf Instagram beeinflussen.
Zur Untersuchung wurde ein Onlineexperiment mit drei Experimentalgruppen durchgeführt: Die Teilnehmenden sahen entweder Nachrichtenposts ohne KI-Label, mit dem prozessbasierten Label „KI-generiert“ oder mit dem wirkungsbasierten Label „Manipuliert“. Hierzu wurden sechs politische Nachrichtenposts deutscher Nachrichtenmedien als Stimuli eingesetzt, von denen in den beiden Label-Bedingungen jeweils drei mit einem KI-Label versehen waren. Die 245 zunächst erhobenen Fälle wurden nach der Datenbereinigung und dem Ausschluss von Teilnehmenden, die den Treatment-Check nicht bestanden, auf eine Stichprobe von 193 Personen reduziert. Die Rekrutierung erfolgte über soziale Medien, persönliche Netzwerke sowie Online-Plattformen und -Gruppen zur Teilnahme an Umfragen. Die Zuweisung zu den Experimentalgruppen erfolgte zufällig. Zur Untersuchung der Effekte des Labelings auf die wahrgenommene Nachrichtenglaubwürdigkeit und die Like-Bereitschaft wurden Pfadmodelle eingesetzt. Zusätzlich wurde die vermutete KI-Nutzung als Mediator untersucht und geprüft, inwiefern individuelle Merkmale der Rezipient:innen die Effekte des Labelings moderieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass politische Nachrichtenposts mit dem prozessbasierten Label „KI-generiert“ signifikant weniger glaubwürdig wahrgenommen werden als ungelabelte Posts. Dieser Effekt wird vollständig über die vermutete KI-Nutzung mediiert. Zwischen dem prozess- und dem wirkungsbasierten Label sowie zwischen dem wirkungsbasierten Label „Manipuliert“ und dem Verzicht auf eine Kennzeichnung zeigt sich hingegen kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der wahrgenommenen Nachrichtenglaubwürdigkeit. Hinsichtlich der Like-Bereitschaft unterscheiden sich die beiden Labeling-Ansätze signifikant voneinander: Beiträge mit dem wirkungsbasierten Label „Manipuliert“ weisen eine höhere Like-Bereitschaft auf als Beiträge mit dem prozessbasierten Label „KI-generiert“. Innerhalb der Label-Bedingungen zeigt sich zwischen gelabelten und ungelabelten Nachrichtenposts kein signifikanter Unterschied in der Like-Bereitschaft.
Darüber hinaus zeigt sich innerhalb der Label-Bedingungen, dass gelabelte Nachrichtenposts unabhängig vom Labeling-Ansatz als weniger glaubwürdig wahrgenommen werden als die im selben Feed präsentierten ungelabelten Posts. Für die Like-Bereitschaft zeigt sich kein entsprechender indirekter Effekt.