Junge Erwachsene verzichten zunehmend auf romantische Beziehungen, was mit steigender Einsamkeit und geringerem Wohlbefinden in Verbindung gebracht wird. Da soziale Netzwerkseiten (SNS) einen zentralen Rezeptionskontext für beziehungsbezogene Inhalte darstellen und bisherige Forschung sich vorwiegend auf die Überwachung bestehender Partnerschaften konzentriert hat, blieb bislang ungeklärt, ob bereits die kurzfristige Exposition gegenüber unterschiedlich valenten Beziehungsdarstellungen die allgemeine, von der eigenen Beziehungserfahrung unabhängige Bewertung romantischer Beziehungen beeinflusst. Die vorliegende Studie leitet mit sozialen Vergleichsprozessen, affektiver Aktivierung und expositionsbasierter Einstellungsänderung drei theoretisch eigenständige Wirkmechanismen her, die zu einem gemeinsamen Wirkungsmodell integriert werden.
Zur Überprüfung wurde ein Between-Subjects-Online-Experiment mit N = 153 Teilnehmenden durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden randomisiert einer von drei Bedingungen zugewiesen und sahen ein beziehungsneutrales, -positives oder -negatives Social-Media-Video im GRWM-Format. Da es primär um die Frage ging, ob unter den gegebenen Bedingungen überhaupt ein Effekt auftritt, und nicht darum, welcher der drei Wirkmechanismen dafür verantwortlich ist, wurden diese im Experiment bewusst nicht empirisch getrennt erhoben. Zusätzlich wurden romantische Einsamkeit, soziale Vergleichsorientierung und Beziehungsstatus als potenzielle Moderatoren untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass negative Beziehungsdarstellungen zu signifikant niedrigeren Bewertungen romantischer Beziehungen führten als positive Darstellungen, was für einen kurzfristigen Einfluss der Valenz rezipierter Inhalte spricht. Romantische Einsamkeit wies einen negativen Haupteffekt auf und moderierte den Effekt in der positiven Bedingung, während sich für die soziale Vergleichsorientierung kein signifikanter Effekt fand. Auffällig war zudem, dass sich das Verhältnis zwischen Singles und Personen in einer Beziehung durch die Konfrontation mit Beziehungsinhalten umkehrte: Ohne inhaltlichen Stimulus bewerteten Singles romantische Beziehungen positiver, mit Beziehungsinhalten
hingegen Personen in einer Partnerschaft. Dies legt nahe, dass die reine Konfrontation mit fremden Beziehungsdarstellungen bei Personen in einer Beziehung eher identifikationsbasierte, selbstwertdienliche Prozesse aktiviert, während Singles davon nicht in gleichem Maße profitieren. Vor dem Hintergrund der fehlenden Trennung der Wirkmechanismen, der Convenience-Stichprobe und der nicht validierten Erhebungsskala ist bei der Interpretation dennoch Vorsicht geboten. Die Studie unterstreicht die Relevanz weiterer, insbesondere längsschnittlicher Forschung zum Einfluss sozialer Medien auf Beziehungseinstellungen und Einsamkeit junger Erwachsener.