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Und was hast du heute schon geleistet? Die Wirkung von Produktivitäts-Content auf sozialen Medien

Produktivitäts- und Selbstoptimierungsinhalte gehören auf Instagram längst zum digitalen Alltag. Kurze Videos vermitteln Disziplin, Effizienz und Leistungssteigerung und können dabei sowohl motivierend als auch mit implizitem Leistungsdruck verbunden sein. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie unterschiedlich gerahmter Produktivitäts-Content auf zentrale psychologische Prozesse wirkt. Theoretisch knüpft die Untersuchung insbesondere an die Social Comparison Theory nach Festinger, die Self-Discrepancy Theory nach Higgins sowie Ansätze zur Unterscheidung von benign und malicious envy an. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob toxisch gerahmter Produktivitäts-Content stärkere aufwärtsgerichtete soziale Vergleiche, Selbstdiskrepanzen und Neidreaktionen hervorruft als neutral motivierender oder themenfremder Content. Zudem wird untersucht, welche Rolle der Trait-Selbstwert sowie Alter und Geschlecht spielen.

Zur empirischen Überprüfung wurde ein quantitatives Onlineexperiment im Between-Subjects-Design durchgeführt. 182 deutschsprachige Instagram-Nutzer ab 16 Jahren wurden zufällig einer von drei Bedingungen zugeteilt: toxischer Produktivitäts-Content, neutral motivierender Produktivitäts-Content oder themenfremder Tierfakten-Content als Kontrollbedingung. Die Stimuli wurden eigens für die Untersuchung entwickelt und anschließend mittels Fragebogen hinsichtlich sozialer Vergleiche, Selbstdiskrepanz und Neid erfasst. Ein Manipulationscheck bestätigte die erfolgreiche Unterscheidung der drei Stimulusbedingungen.

Entgegen den Erwartungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich aufwärtsgerichteter sozialer Vergleiche, Selbstdiskrepanzen oder der Gesamtintensität von Neid. Allerdings war benign envy in allen drei Bedingungen stärker ausgeprägt als malicious envy und insbesondere beim neutral motivierenden Produktivitäts-Content erhöht. Als besonders bedeutsam erwies sich der Trait-Selbstwert: Personen mit höherem Selbstwert zeigten deutlich weniger aufwärtsgerichtete Vergleiche, Selbstdiskrepanz und malicious envy. Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass die kurzfristige Wirkung eines einzelnen Produktivitäts-Contents begrenzt ist und die Rezeption sozialer Medieninhalte wesentlich vom Zusammenspiel medialer Rahmung und individueller Dispositionen abhängt.