transfer 30(3) » Rezeptions- und Wirkungsforschung

Swipe Right for Feminism: Wie nehmen Frauen feministische Selbstdarstellung von Männern beim Online-Dating wahr?

Ein quantitatives Online-Experiment

Feminismus wird gesellschaftlich weiterhin kontrovers diskutiert und ist häufig mit negativen Stereotypen verbunden – das zeigen zahlreiche Studien und die geringe Identifikationsbereitschaft in der Bevölkerung. Insbesondere in antifeministischen Online-Communities wird die Annahme vertreten, dass Frauen feministisch eingestellte Männer als potenzielle Partner ablehnen und stattdessen traditionelle Männlichkeitsbilder bevorzugen. Trotz der gesellschaftlichen Relevanz dieser Debatte existieren bislang nur wenige empirische Untersuchungen dazu, wie Frauen feministische Männer im romantischen Kontext tatsächlich wahrnehmen. Die vorliegende Studie schließt diese Forschungslücke, indem sie untersucht, welche Rolle geschlechteregalitäre Werte bei der Partnerwahl durch Frauen spielen und wie feministische Selbstdarstellungen von Männern auf Online-Dating-Plattformen bewertet werden.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurde ein quantitatives Online-Experiment im Within-Subjects-Design durchgeführt. Insgesamt nahmen 171 deutschsprachige Frauen im Alter von 18 bis 28 Jahren teil. Die Teilnehmerinnen bewerteten sechs künstlich erstellte Dating-Profile, von denen drei eine explizit feministische Selbstdarstellung und drei eine neutrale Selbstdarstellung enthielten. Erfasst wurden die wahrgenommene physische Attraktivität der Profilinhaber sowie die Dating-Intention. Darüber hinaus wurde die feministische soziale Identität der Teilnehmerinnen mithilfe der Feminist Social Identity Scale (FSIS) erhoben, um individuelle Unterschiede in den Bewertungen zu erklären. Theoretische Grundlage der Untersuchung bildete die Theorie der sozialen Identität, die Prozesse der In-Group-Favorisierung und Out-Group-Diskriminierung in den Fokus rückt.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Tendenz zur negativeren Bewertung feministischer Profile im Vergleich zu neutralen Profilen. Diese Abwertung trat sowohl bei Teilnehmerinnen mit geringer als auch mit hoher feministischer Identifikation auf. Gleichzeitig zeigte sich ein schwacher positiver Zusammenhang zwischen der Stärke der feministischen sozialen Identität und einer positiveren Bewertung feministischer Profile. Die Befunde deuten darauf hin, dass feministische Selbstdarstellungen von Männern im Online-Dating komplex wahrgenommen werden und nicht automatisch zu einer positiven In-Group-Zuschreibung führen. Die Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung über Online-Dating, Geschlechterrollen und soziale Identitätsprozesse im digitalen Kontext.