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Zwischen Meme und Polarisierung

Ein Scoping Review über politische Kommunikation auf TikTok seit 2024

TikTok hat sich von einer Unterhaltungsplattform zu einem zentralen Raum politischer Kommunikation entwickelt, insbesondere für junge Zielgruppen. Damit entstehen nicht nur neue gesellschaftliche und politische Herausforderungen, sondern auch eine wissenschaftliche Verantwortung, die aktuellen Entwicklungen systematisch zu erfassen. Bisher ist das Forschungsfeld durch eine starke Fragmentierung geprägt, woraus sich grundlegende wissenschaftliche Fragen zu thematischen Schwerpunkten, Akteurstypen, zentralen Befunden, theoretischen Bezugspunkten und methodischen Zugängen ergeben.

Ziel dieser Arbeit ist es, das Feld mittels eines systematischen Scoping Reviews nach den PRISMA-Standards zu kartieren und einen strukturierten Überblick über die aktuelle Forschungslage zu schaffen. Theoretisch ist die Arbeit in einem engen Verständnis politischer Kommunikation nach Jarren und Donges (2006) verankert, das nur solche Kommunikationsprozesse einschließt, die auf kollektiv bindende Entscheidungsprozesse Bezug nehmen. Auf dieser Grundlage wurde eine systematische Literaturanalyse durchgeführt. Mithilfe strukturierter Suchen in EBSCOhost und Web of Science (Zeitraum 01/2024 bis 04/2025) und klar definierten Ein- und Ausschlusskriterien wurden ausschließlich empirische, peer-reviewte Open-Access-Studien in Englisch, Spanisch oder Deutsch berücksichtigt. Die finale Stichprobe umfasst 23 Studien, die deskriptiv und qualitativ ausgewertet wurden.

Die Ergebnisse verdichten sich in drei thematische Cluster: (A) Selbstdarstellung im Wahlkampf, geprägt durch Personalisierung und Depolitisierung zugunsten von Unterhaltung; (B) Politische Polarisierung, insbesondere rechtspopulistische Kommunikation und affektive Mobilisierung; (C) TikTok als partizipativer Raum, in dem junge Nutzer*innen politische Bedeutungen aushandeln und Identität performativ ausdrücken. Methodisch dominieren Inhaltsanalysen mit kleinen Stichproben; experimentelle Designs und Wirkungsstudien sind selten. Theoretisch zeigt sich eine heterogene und überwiegend schwache Fundierung, wobei plattformspezifische Konzepte bisher nur deskriptiv und kaum systematisch integriert werden.

Die Arbeit systematisiert damit ein dynamisches Forschungsfeld, macht zentrale Forschungslücken sichtbar und legt eine Grundlage für zukünftige, theoriegeleitete und methodisch diversere Studien zur politischen Kommunikation auf TikTok.