Die Informationsrezeption von Nachrichten in sozialen Medien geht häufig mit einem oberflächlichen Nutzungsverhalten einher, das Wahrnehmungsverzerrungen begünstigen kann. Eine solche Verzerrung ist die Illusion of Knowing (IoK), bei der Rezipienten ihr eigenes Wissen zu bestimmten Themen überschätzen. Obwohl das Phänomen insbesondere im Kontext von Online-Kommunikation relevant ist, tritt es auch in anderen Rezeptionskontexten und Themenbereichen auf. Diese Arbeit untersucht mögliche Einflussfaktoren und Auswirkungen der IoK, um die mit dieser kognitiven Verzerrung verbundenen Prozesse und Verhaltensweisen näher zu beleuchten. Als potenzielle Einflussfaktoren werden die individuellen Merkmale Selbstwirksamkeitserwartung, Informationsresilienz und Assertivität betrachtet. Als mögliche Auswirkungen der IoK werden die Diskussionsbereitschaft und die politische Partizipation untersucht, da eine Überschätzung des eigenen Wissens die Weitergabe vermeintlicher Expertise oder darauf basierende Handlungen begünstigen kann. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit die IoK den Zusammenhang zwischen den individuellen Merkmalen und den untersuchten Verhaltensweisen vermittelt.
Die empirische Überprüfung des Forschungsmodells erfolgte mittels einer quantitativen Online-Befragung. Die Operationalisierung zeigte, dass sowohl die IoK als auch die untersuchten individuellen Merkmale mehrdimensionale Konstrukte darstellen. Dabei bestätigte sich, dass die IoK insbesondere durch die subjektive Einschätzung des eigenen Wissens geprägt ist. Zur Auswertung wurden multiple Regressions- und parallele Mediationsanalysen durchgeführt.
Die Ergebnisse belegen sowohl funktionale als auch dysfunktionale Zusammenhänge der untersuchten Merkmale mit der IoK. Während eine höhere interne Selbstwirksamkeitserwartung mit einer stärkeren IoK einhergeht, wirken Informationsresilienz und Assertivität einer Selbstüberschätzung des eigenen Wissens entgegen. Darüber hinaus zeigen die Mediationsanalysen, dass einige der untersuchten Merkmale über die IoK indirekt mit der politischen Partizipation zusammenhängen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit die Bedeutung individueller Merkmale für die Ausprägung der IoK und deren verhaltensbezogene Folgen.
Abschließend werden Implikationen für den funktionalen Umgang mit der IoK sowie Ansatzpunkte für zukünftige Forschung abgeleitet. Insbesondere erscheint die Untersuchung weiterer Einflussfaktoren sinnvoll, um das vielschichtige Konstrukt der IoK ganzheitlich zu erfassen.