Nachrichten können heutzutage nahezu unabhängig von Ort und Zeit konsumiert werden, trotzdem steigt die Anzahl an Menschen, die sie bewusst vermeiden. Aus diesem Grund widmet sich diese Arbeit den Gründen für bewusste Nachrichtenvermeidung. Dabei werden die Aspekte Erschöpfung durch die Menge an Nachrichten, Vertrauen in Nachrichten, emotionale Belastung durch Nachrichten, das Geschlecht und Nachrichten als Gesprächsthema im sozialen Umfeld berücksichtigt, sowie soziale Medien als Haupt-Nachrichtenquelle, als verstärkender Moderator einiger Zusammenhänge miteinbezogen.
Dafür werden die für den Digital News Report 2024 erhobenen quantitativen Daten im Rahmen einer Sekundärdatenanalyse untersucht. Die relevanten Items werden durch eine multiple lineare Regressionsanalyse und eine Moderationsanalyse ausgewertet. Die Untersuchungsergebnisse zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen den unabhängigen Variablen Erschöpfung durch die Menge an Nachrichten, Vertrauen in Nachrichten, emotionale Belastung durch Nachrichten und der abhängigen Variablen bewusste Nachrichtenvermeidung. Das Gefühl, von der Informationsflut erschöpft zu sein sowie geringes Vertrauen in Nachrichten und emotionale Belastung durch Nachrichten, spielen also eine Rolle dabei, ob Menschen sich aktiv vom Nachrichtengeschehen zurückziehen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Interaktionseffekte dieser Variablen mit sozialen Medien als Haupt-Nachrichtenquelle nicht signifikant sind. Das bedeutet, es ist nicht entscheidend, ob Personen sich hauptsächlich über soziale Medien oder über andere Kanäle informieren. Soziale Medien verstärken nicht automatisch die Tendenz zur bewussten Nachrichtenvermeidung in Verbindung mit Erschöpfung, Misstrauen oder emotionaler Belastung. Auch der Zusammenhang zwischen den unabhängigen Variablen Geschlecht und Nachrichten als Gesprächsthema im sozialen Umfeld und der abhängigen Variable bewusste Nachrichtenvermeidung, zeigt sich als nicht signifikant. Es scheint also, dass weder das Geschlecht noch der Austausch über Nachrichten, zum Beispiel im Freundeskreis oder in sozialen Medien, einen Einfluss darauf hat, ob jemand Nachrichten bewusst vermeidet oder nicht.
Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, die bewusste Nachrichtenvermeidung besser zu verstehen und liefern Impulse für weitere Forschung im Bereich der Nachrichtenvermeidung. Sie können dazu beitragen, Strategien für Medienschaffende zu entwickeln, wie bewusster Nachrichtenvermeidung gezielt entgegengewirkt werden kann und Nutzer:innen dazu anregen, ihr eigenes Nachrichten-Konsumverhalten kritisch zu reflektieren und einen bewussteren Umgang mit Nachrichteninhalten zu entwickeln.