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Desinformation im Wahlkontext

Eine quantitative Inhaltsanalyse der Berichterstattung deutscher Medien zu Desinformation bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024 und der deutschen Bundestagswahl 2025

Desinformation stellt eine zunehmende Herausforderung für demokratische Öffentlichkeiten dar, insbesondere im Kontext von Wahlen. Als zentrale Vermittlungsinstanz politischer Informationen kommt den Medien eine besondere Rolle bei der Einordnung und Thematisierung von Desinformation zu. Diese Arbeit untersucht, welche Muster der medialen Thematisierung von Desinformation sich in deutschen Leitmedien im Kontext der US-Präsidentschaftswahl 2024 und der Bundestagswahl 2025 identifizieren lassen und wie häufig diese Muster in den beiden Wahlkontexten auftreten. Diese Wahlen wurden aufgrund der wachsenden Präsenz von Desinformation im Wahlkampf ausgewählt. Theoretisch knüpft die Arbeit an den Forschungsstand zu medialen Thematisierungsmustern und Frames an. Desinformation wird dabei als transnationales Phänomen verstanden, dessen mediale Einordnung je nach politischem und nationalem Kontext variieren kann.

Grundlage ist eine quantitative, explorativ angelegte Inhaltsanalyse der Berichterstattung deutscher Leitmedien. Untersucht wurden Beiträge zur US-Präsidentschaftswahl 2024 und zur vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025. Die codierten Merkmale umfassen unter anderem Wahlbezug, Fokus, Benennung von Desinformation, Akteure, Plattformen, Tonalität, Maßnahmen, Instrumente, Verantwortungszuschreibungen und Auswirkungen. Auf dieser Grundlage wurde mittels Clusteranalyse eine dateninduzierte Typologie der medialen Thematisierung gebildet. Die identifizierten Cluster wurden anhand ihrer charakteristischen Merkmalskombinationen inhaltlich interpretiert und dienten als empirische Grundlage für die Rekonstruktion der medialen Frames.

Die Analyse zeigt, dass Desinformation in der deutschen Wahlberichterstattung nicht als einheitliches Problem dargestellt wird, sondern entlang unterschiedlicher Akteurs-, Verantwortungs- und Handlungslogiken thematisiert wird. Identifiziert wurden Frames zu personalisierten US-Wahlkonflikten, russischer Einflussnahme, demokratischer Resilienz, Plattformverantwortung und politischer Regulierung sowie zu Desinformation als Randthema der Bundestagswahl. Die Häufigkeit der Clusterzuweisungen verweist auf deutliche Unterschiede zwischen den Wahlkontexten. Während die US-Wahlberichterstattung insbesondere durch personalisierte Konflikte, politische Akteure und russische Einflussnahme geprägt ist, wird Desinformation im Kontext der Bundestagswahl häufiger als Bestandteil eines breiteren politischen Diskurses und teilweise als Randthema behandelt. Zugleich erweist sich die Rolle digitaler Plattformen und ihrer Regulierung als eigenständiges Thematisierungsmuster.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die mediale Thematisierung von Desinformation stark vom jeweiligen Wahlkontext sowie von den zugeschriebenen Akteuren, Verantwortlichkeiten und Handlungsoptionen geprägt ist.