Soziale Herkunft beeinflusst gesellschaftliche Teilhabe nicht nur über ökonomische Ressourcen, sondern ebenso über kulturelle Bewertungen und symbolische Machtverhältnisse. Filme tragen dazu bei, solche gesellschaftlichen Ordnungen sichtbar zu machen und zu reproduzieren, indem sie soziale Differenzen audiovisuell inszenieren. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Bachelorarbeit, wie klassistische Machtverhältnisse im Spielfilm Dirty Dancing (1987) filmisch dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht die Forschungsfrage, wie audiovisuelle Gestaltungsmittel soziale Hierarchien erzeugen, legitimieren und erfahrbar machen. Die Arbeit verbindet klassismustheoretische Ansätze mit film- und mediensoziologischen Perspektiven. Theoretische Grundlage bilden insbesondere Bourdieus Konzepte von Kapital, Habitus und symbolischer Gewalt (1982, 1987, 1991) sowie Skeggs‘ Überlegungen zu Respektabilität (1997, 2004). Film wird dabei in Anlehnung an Hall (1997) und Bordwell et al. (2023) als Medium gesellschaftlicher Bedeutungsproduktion verstanden, das soziale Ungleichheit nicht lediglich abbildet, sondern aktiv konstruiert.
Methodisch basiert die Untersuchung auf der soziologischen Filmanalyse nach Keppler und Peltzer (2015). Anhand ausgewählter Schlüsselszenen werden Raumgestaltung, Körperinszenierung, Sprache, Kameraführung, Montage sowie Musik systematisch analysiert und in ihrem Zusammenspiel interpretiert. Ziel ist es, die im Film angelegten Deutungsangebote hinsichtlich klassistischer Macht- und Bewertungsstrukturen zu rekonstruieren.
Die Analyse zeigt, dass soziale Differenz in Dirty Dancing nicht allein über die Handlung vermittelt wird, sondern vor allem durch das Zusammenspiel filmischer Gestaltungsmittel entsteht. Räumliche Trennungen strukturieren soziale Zugehörigkeit und Ausschluss, Körperhaltungen, Kleidung und Tanz fungieren als Marker gesellschaftlicher Positionen, während Sprache und Kameraführung Hierarchien sowie Machtverhältnisse zusätzlich verdichten. Musik und audiovisuelle Inszenierung emotionalisieren diese Ordnungen und verleihen ihnen gesellschaftliche Plausibilität.
Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass der Film soziale Ungleichheit nicht nur erzählt, sondern sie auch über seine ästhetische Gestaltung erfahrbar macht und zugleich klassistische Bewertungsordnungen sichtbar sowie teilweise reproduziert. Damit leistet die Untersuchung einen Beitrag zur kommunikationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit medialen Repräsentationen sozialer Ungleichheit und zeigt das Potenzial einer klassismuskritischen Filmanalyse populärer Medien.