Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Darstellung der Spitzenkandidaten Friedrich Merz, Olaf Scholz und Robert Habeck im Bundestagswahlkampf 2025 in den Tageszeitungen taz und WELT. Nach der Auflösung der Ampelregierung im November 2024 standen die Kanzlerkandidaten im Zentrum intensiver medialer Berichterstattung. Medien werden dabei als zentrale Akteure politischer Bedeutungsproduktion verstanden, die politische Akteure durch selektive Hervorhebung und Gewichtung bestimmter Aspekte in spezifische Deutungsrahmen (Frames) einordnen. Theoretische Grundlage der Arbeit ist der kommunikationswissenschaftliche Framing-Ansatz, insbesondere die Frame-Konzeption nach Entman (1993). Ergänzend werden Ansätze zur Personalisierung politischer Kommunikation sowie zum politischen Parallelismus herangezogen.
Methodisch basiert die Untersuchung auf einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022). Analysiert werden insgesamt 60 Meinungsbeiträge und Kommentare aus den Online-Ausgaben der taz und der WELT im Zeitraum vom 6. November 2024 bis zur Bundestagswahl am 23. Februar 2025. Die Kategorien werden induktiv aus dem Material entwickelt und zu kandidatenbezogenen Frames zusammengeführt.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der medialen Rahmung der Spitzenkandidaten. Friedrich Merz wird in der WELT überwiegend als entschlossener und risikobereiter Führungspolitiker dargestellt, während die taz ihn vor allem als polarisierenden und demokratiegefährdenden Akteur rahmt. Olaf Scholz erscheint in beiden Medien primär als verwaltender und wenig gestaltender Kanzler, wobei die Bewertungen variieren. Robert Habeck wird in der taz tendenziell als normativ orientierter, jedoch überforderter Idealist dargestellt, während die WELT ihn als politisch inkonsistenten Akteur beschreibt.
Insgesamt verdeutlichen die Befunde, dass sich die mediale Konstruktion der Kanzlerkandidaten in beiden Medien unterscheidet und der politischen Ausrichtung der Medien annähert.