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Gender Bias im Sportjournalismus – ein Vergleich der Berichterstattung über Männer- und Frauensport

Sportberichterstattung prägt, welche Leistungen, Personen und Sportarten Rezipierende als relevant wahrnehmen. Die Arbeit untersucht daher, wie Rezipierende geschlechtsspezifische Unterschiede in der Berichterstattung über Männer- und Frauensport wahrnehmen. Die theoretische Grundlage bilden die historische Marginalisierung von Frauen im Leistungssport, Forschung zu Gender Bias und Stereotypisierung in der Sportberichterstattung sowie Ansätze zur Sportrezeption. Vorliegende Studien weisen auf eine geringere Sichtbarkeit von Frauensport, Unterschiede in sprachlicher und visueller Inszenierung sowie einen sich selbst verstärkenden Zusammenhang zwischen medialer Präsenz, Nachfrage, Sponsoring und Finanzierung hin. Im Sinne des Gender-Blind Sexism kann die weniger dramatische oder technisch aufwendige Darstellung von Frauensport dessen Wahrnehmung als weniger relevant zusätzlich begünstigen.

Methodisch basiert die Studie auf drei leitfadengestützten Online-Gruppendiskussionen mit insgesamt elf Personen im Alter von 19 bis 36 Jahren. Die Gruppen umfassten eine Männergruppe mit drei Teilnehmenden, eine Frauengruppe mit vier Teilnehmenden und eine gemischtgeschlechtliche Gruppe mit vier Teilnehmenden (zwei Frauen, zwei Männer). Die aus dem persönlichen Umfeld rekrutierten Befragten verfolgten nach eigener Angabe sowohl Männer- als auch Frauensport. In 45- bis 60-minütigen Zoom-Gesprächen wurden Sportkonsum, die Wahrnehmung von Berichterstattung und Darstellung, geschlechtsspezifische Sportzuordnungen sowie Sponsoring und finanzielle Förderung thematisiert. Die transkribierten Gespräche wurden mit MAXQDA in einem hybriden deduktiv-induktiven Codierverfahren ausgewertet.

Die Befragten nehmen Männersport als medial präsenter und häufig technisch aufwendiger produziert wahr; insbesondere Fußball gilt als deutlich männerdominiert. Bei Sportlerinnen wird dagegen häufiger ein Fokus auf Aussehen, persönliche Merkmale oder Ästhetik wahrgenommen als auf sportliche Leistung. Zugleich zeigen die Diskussionen sportartspezifische Gegenbeispiele: Tennis und Biathlon werden als vergleichsweise ausgewogen rezipiert. Eishockey, American Football und Formel 1 werden überwiegend Männern, Eiskunstlauf, Ballett, Synchronschwimmen und Tanzen eher Frauen zugeschrieben. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass mediale Sichtbarkeit, gesellschaftliche Prägungen und wahrgenommene Leistungs- und Finanzierungsunterschiede die Rezeption von Männer- und Frauensport gemeinsam beeinflussen.