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Femizide im medialen Diskurs – ein Vergleich von Online-Journalismus und Social Media

Femizide gelten als die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt. Für diese Gewaltform existiert in Deutschland bis heute kein einheitlicher Straftatbestand. Den Medien kommt daher eine ganz besondere Verantwortung zu: Sie beeinflussen maßgeblich, ob Femizide als tragische Einzelfälle oder als Ausdruck struktureller Gewalt wahrgenommen werden. Während sich die bisherige Forschung vorwiegend mit Print- und Online-Angeboten auseinandergesetzt hat, wurden Social-Media-Plattformen kaum berücksichtigt. Diese Lücke adressiert die vorliegende Arbeit mithilfe eines Medien- und Plattformvergleichs.

Theoretisch stützt sich die Untersuchung auf Entmans Framing-Ansatz und verbindet diesen mit Iyengars Unterscheidung zwischen episodischen und thematischen Frames sowie mit dem Konzept der Plattformlogiken nach Klinger und Svensson. Daraus ergibt sich eine doppelte Vergleichsdimension: auf Ebene des Mediums und auf Ebene der Plattform. Die Arbeit untersucht die Berichterstattung zu Femiziden über einen Zeitraum von zwei Jahren (01.12.2023 bis 01.12.2025) mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse. Analysiert wurden 17 Instagram-Beiträge und 37 Online-Artikel der Medien BILD und SPIEGEL. Der Fokus der Analyse liegt dabei auf den verwendeten Begriffen, der Rahmung der Taten als strukturelles oder individuelles Problem sowie der Täter- und Opferbeschreibung.

Die Ergebnisse zeigen, dass Femizide überwiegend als Einzelfälle dargestellt werden und der Begriff Femizid in der Berichterstattung selten verwendet wird, besonders selten in der Berichterstattung der BILD. Zudem konstruieren beide Medien relativierende Darstellungen der Täter, folgen dabei jedoch unterschiedlichen Mustern. Die Befunde deuten darauf hin, dass redaktionelle Logiken der Medien die Berichterstattung über Femizide stärker prägen als Plattformlogiken.

Für die journalistische Praxis lässt sich ableiten, dass eine konsequente Verwendung und Kontextualisierung des Begriffs Femizid dazu beitragen könnte, das gesellschaftliche Bewusstsein für Femizide als strukturelles Problem zu schärfen. Zukünftige Studien könnten multimodale Analysen mit größeren, ausgeglicheneren Samples durchführen, um die Generalisierbarkeit der Ergebnisse zu überprüfen. Zudem könnten intersektionale Perspektiven einbezogen werden, um so ein umfassenderes Bild der medialen Femizid-Inszenierung zu zeichnen.