Die fortschreitende Digitalisierung und der Wandel der Medienlandschaft haben das Nachrichtenverhalten junger Erwachsener grundlegend verändert. Nachrichten werden heute zunehmend über digitale Plattformen und insbesondere soziale Medien rezipiert, wodurch sich sowohl die Zugangswege zu Informationen als auch die Erwartungen an journalistische Inhalte verändern. Gleichzeitig stehen klassische Qualitätsmedien vor der Herausforderung, junge Zielgruppen zu erreichen und an sich zu binden. Vor diesem Hintergrund gewinnen Fragen danach, was junge Erwachsene überhaupt als Nachrichten verstehen, welche Merkmale sie mit journalistischen Nachrichten verbinden und wie sich dieses Verständnis in ihrer tatsächlichen Nachrichtennutzung widerspiegelt, zunehmend an Bedeutung. Obwohl Nachrichtenverständnis und Nachrichtennutzung bereits vielfach untersucht wurden, wurden beide Forschungsfelder bislang überwiegend getrennt betrachtet. Ziel der Arbeit war es daher, Typen des Nachrichtenverständnisses und der Nachrichtennutzung bei jungen Erwachsenen zu identifizieren und Unterschiede innerhalb dieser Altersgruppe sichtbar zu machen.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine standardisierte Online-Befragung unter 18- bis 35-Jährigen durchgeführt. Nach der Datenbereinigung gingen die Angaben von 185 Teilnehmenden in die Analyse ein. Die erhobenen Variablen umfassten Dimensionen des Nachrichtenverständnisses (Plattform, Stil, Inhalt und Quelle), der Nachrichtennutzung (Nachrichtenvermeidung, Nachrichtenüberlastung und News-find-me-Wahrnehmung) sowie Verbesserungswünsche an journalistische Angebote. Die Datenauswertung erfolgte mithilfe von Faktoren- und Clusteranalysen.
Die Ergebnisse zeigen, dass junge Erwachsene keine homogene Gruppe darstellen. Für das Nachrichtenverständnis konnten drei Typen identifiziert werden: qualitätsorientierte, neugierige und kritische Nachrichtenverstehende. Im Bereich der Nachrichtennutzung wurden vier Typen unterschieden: überforderte Teilzeitnutzende, soziale Nachrichtennutzende, aktive Vollzeitnutzende und selbstbewusste Nachrichtennutzende. Besonders deutlich wird, dass die Präferenz für soziale Medien nicht mit einer Ablehnung journalistischer Qualitätsstandards einhergeht. Professionelle Quellen sowie Kriterien wie Aktualität, Richtigkeit und Objektivität bleiben für das Verständnis von Nachrichten bedeutsam, auch wenn etablierte Medienangebote seltener genutzt werden.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse die Vielfalt der Bedürfnisse und Nutzungsweisen junger Erwachsener und sprechen gegen pauschale Annahmen über diese Zielgruppe. Sie liefern zugleich Ansatzpunkte für eine zielgruppengerechtere journalistische Gestaltung von Nachrichtenangeboten.