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„Last Bitch standing“ – Eine qualitative Interviewstudie zur Rezeption von weiblichem Deutschrap

In der Arbeit „Last Bitch standing“ – Eine qualitative Interviewstudie zur Rezeption von weiblichem Deutschrap wird untersucht, wie die Darstellungen von weiblichen Deutschrapperinnen weibliche Fans beeinflussen. Dabei wird insbesondere analysiert, welche Rolle Aspekte wie Empowerment, Selbstbestimmung und Selbstinszenierung in der Rezeption spielen.

Theoretisch verortet sich die Arbeit im Rahmen der Entstehung und Entwicklung des Hip-Hops, insbesondere des Raps, und analysiert dabei die Rolle von Frauen im Genre. Dabei wird die anfängliche Marginalisierung weiblicher Künstlerinnen im männlich dominierten Rap dargestellt. Anschließend wird der deutsche Rapkontext beleuchtet und wie sich dort weibliche Repräsentationen entwickelt haben. Zentrale Begriffe wie die „Bitch“-Figur und die Funktion sexistischer Stereotype im Rap werden kritisch diskutiert. Die theoretische Grundlage wird durch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Rap, Frauen im Deutschrap sowie der Rolle sexistischer Stereotype im Genre ergänzt.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage: „Wie beeinflussen die Darstellungen von Deutschrapperinnen weibliche Fans?“ wurden sechs qualitative Interviews mit weiblichen Fans von Deutschraperinnen geführt. Die gewonnenen Daten wurden mittels einer Themenanalyse ausgewertet, um zentrale Muster in der Wahrnehmung und Interpretation der Darstellungen von Künstlerinnen wie Shirin David oder dem Rap Duo SXTN zu identifizieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass weibliche Deutschrapperinnen von den Befragten sowohl als Vorbilder für Emanzipation und Selbstbestimmung wahrgenommen werden, als auch als kontrovers diskutierte Figuren, deren Inszenierungen ambivalente Reaktionen hervorrufen. Viele Fans schätzen die feministisch geprägten Texte, die traditionelle Geschlechterrollen infrage stellen, und empfinden diese als inspirierend. Gleichzeitig werden visuelle Darstellungen, insbesondere die Selbstsexualisierung, unterschiedlich bewertet: Während einige diese als Ausdruck von Selbstbestimmung deuten, sehen andere darin eine Reproduktion patriarchaler Strukturen. Auch in der zuvor dargelegten Forschung ist diese Ambivalenz zu finden.

Zudem wird deutlich, dass die Authentizität der Künstlerinnen eine zentrale Rolle für die Rezeption spielt. Widersprüche zwischen den feministischen Botschaften in den Songtexten und der öffentlichen Selbstinszenierung – etwa durch stark bearbeitete Bilder oder kosmetische Eingriffe – wurden von den Befragten kritisch hinterfragt. Die Arbeit verdeutlicht die vielschichtige Rezeption weiblicher Deutschrapperinnen und zeigt auf, dass deren Darstellung sowohl emanzipatorisches Potenzial besitzt, gleichzeitig aber auch gesellschaftliche Stereotype reproduzieren kann. Die Rezeption von Deutschrapperinnen kann dabei fast schon als feministischen Akt verstanden werden, da weibliche Fans durch ihre Wertschätzung und Unterstützung dieser Künstlerinnen traditionelle Geschlechternormen herausfordern und weibliche Präsenz in einem männlich dominierten Genre stärken.