Unterhaltungssendungen sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Fernsehens und tragen zur Konstruktion gesellschaftlicher Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit bei. Eine besondere Rolle kommt dabei Moderatoren zu, die durch ihre Gesprächsführung sowie ihre verbale und nonverbale Kommunikation die Interaktion mit ihren Gästen steuern. Die Arbeit untersucht, welche Kommunikationsmuster männliche Moderatoren im Gespräch mit weiblichen Gästen zeigen und inwiefern sich darin Geschlechterstereotype und männliches Dominanzverhalten widerspiegeln.
Dazu wurden ausgewählte Folgen der Unterhaltungssendungen Harald Schmidt Show, MTV Home, Neo Paradise, TV Total und Studio Schmitt qualitativ untersucht. Anhand eines Kategoriensystems wurden die verbale und nonverbale Kommunikation der Moderatoren sowie die Reaktionen der weiblichen Gäste analysiert. Aus verschiedenen Sequenzen wurden fünf typische Kommunikationsmuster gebildet: „Arrogantes Mansplaining“, „Das Kumpelhafte“, „Die zutrauliche Freundschaft“, „Das Sabbern“ und „Die Ehrfurcht“. Die fünf Typen reichen dabei von dominanten und für die weiblichen Gäste unangenehmen Kommunikationsmustern bis hin zu Formen, die durch Zustimmung, Nähe und Bewunderung geprägt sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Kommunikation männlicher Moderatoren mit weiblichen Gästen keineswegs einheitlich ist. Während insbesondere „Arrogantes Mansplaining“ und „Das Sabbern“ durch Dominanz, Bevormundung, Sexualisierung und verdeckte Kontrolle gekennzeichnet sind, zeigen die übrigen Typen eher Zustimmung, Wertschätzung und geselligen Austausch. Die Typen sind dabei nicht einzelnen Moderatoren eindeutig zuzuordnen, sondern setzen sich aus unterschiedlichen Sequenzen verschiedener Sendungen zusammen. Teilweise wechseln Moderatoren innerhalb einer Sendung zwischen unterschiedlichen Kommunikationsmustern. Die Ergebnisse machen damit sowohl problematische als auch respektvolle Kommunikationsweisen sichtbar und zeigen, dass Geschlechterstereotype nicht nur durch explizite Aussagen, sondern auch durch subtile verbale und nonverbale Kommunikationshandlungen vermittelt und reproduziert werden können. Die Kommunikation zwischen Moderatoren und weiblichen Gästen trägt damit über die Unterhaltung hinaus zur Konstruktion gesellschaftlicher Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit bei.