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Worthülse oder Programm. Wie Medien Feminismus verhandeln

Eine Diskursanalyse von Mädchenmannschaft.net und Süddeutsche.de

Im Zentrum der Arbeit steht die Frage wie der Feminismus-Begriff im medialen Diskurs konstruiert wird. Welche Inhalte verknüpfen Medien mit ihm? Greifen sie dabei auf feministische Wissensbestände zurück oder entsteht leerer „Worthülsen-Feminismus“ (Wischermann, 2013: 189)?

Mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Foucault wurde die Verhandlung des Feminismus-Begriffs bei Süddeutsche.de und dem Blog Mädchenmannschaft.net untersucht. Am Anfang steht ein Überblick über die historische und (öffentlichkeits-) theoretische Entwicklung von Feminismus sowie über den Diskursbegriff Foucaults, woraus ein Kategoriensystem abgeleitet wird. Das Untersuchungsmaterial bilden 69 Beiträge aus dem Zeitraum von Juli bis Dezember 2017.

Die Auswertung zeigt, wie unterschiedlich der Begriff kontextualisiert wird: Für den Blog Mädchenmannschaft.net dient Feminismus als grundlegendes Konzept um gesellschaftliche Machtstrukturen in allen Bereichen zu hinterfragen und Veränderungen anzuregen. Im Leitmedium Süddeutsche.de hingegen bezieht sich Feminismus v.a. auf sexualisierte Gewalt, Frauenfeindlichkeit und neue Männlichkeit. Das Fazit: Aufgrund einer dem Feminismus inhärenten, machtkritischen Dimension stellt es sich für Mainstream-Medien als schwierig heraus, sich von einer androzentrischen Perspektive zu lösen und feministische Kritik zu äußern.