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Top Gun: Maverick (2022): Ein moderner Propagandafilm?

Dass Filme zu Propagandazwecken genutzt werden, hat Tradition. Schon früh erkannten Regierungen deren Strahlkraft und so konstruierten sie mithilfe von ihnen Narrative, um ihre Ideologien zu verbreiten, Kriege zu rechtfertigen oder Männer für einen Krieg zu mobilisieren.
In Zeiten von Fake News und Manipulationen von Wahlen durch autoritäre Staaten ist es besonders wichtig, herauszufinden und darzustellen, in welchen Formen politische Einflussnahme von Regierungen existiert und wie diese aussehen kann. Gerade, wenn diese Einflussnahme sich hinter dem Deckmantel eines Unterhaltungsproduktes versteckt. Auch aufgrund der sich aktuell dynamisch wandelnden politischen Situation in den USA, in denen es vermehrt Angriffe der Regierung auf die Pressefreiheit gibt und der Wunsch durchscheint, Medien und deren Informationsverbreitung kontrollieren zu wollen, ist es spannend und wichtig, derartige Mechanismen darzulegen und zu beschreiben.
Der finanziell sehr erfolgreiche Film “Top Gun: Maverick” (2022) wurde vom Verteidigungsministerium der USA (DOD) (heute Kriegsministerium) unterstützt. Könnte es sich hierbei um einen modernen Propagandafilm handeln?

Um sich der Beantwortung dieser Frage anzunähern, wurde in der Arbeit zunächst aus ausgewählter Literatur eine Arbeitsdefinition für Propagandafilme herausgebildet. Anschließend wurden Propagandafilm-Kategorien gebildet. Um den Film in seinen Entstehungskontext einzubetten, wurde dessen Inhalt knapp beschrieben und schließlich in Zusammenhang gebracht mit dem Entertainment-Komplex des DOD und dem „Production Agreement“, welches zwischen der Produktionsfirma und dem DOD geschlossen worden ist. Herzstück der Arbeit ist eine hermeneutische Filmanalyse, in welcher die zuvor entwickelten Kategorien auf zwei Sequenzen des Films angewandt werden.

Die Analyse zeigt, dass die Mehrheit der Kategorien auf den Film zutreffen oder in modernisierter Form auftauchen. Der Entstehungskontext des Films deutet ebenfalls darauf hin, dass es sich bei dem Film durchaus um einen modernen Propagandafilm handeln könnte. Dies zeigt, dass es sich bei Propagandafilmen nicht um ein Phänomen vergangener Zeiten handelt, sondern um eine Praxis, die noch immer ausgeführt wird.