Das Phänomen der Misinformationen existiert seit langer Zeit, gewinnt nun aber durch die Popularität von Social-Media-Plattformen erneut an Aktualität. TikTok ist aufgrund seiner algorithmischen Struktur und seiner hohen Beliebtheit in Deutschland in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse. Im Hinblick auf das hohe Verbreitungspotential einzelner Videos auf TikTok, Schwierigkeiten bei der Identifikation von Misinformationen, sowie der junge Nutzer*innenschaft, lag die Motivation dieser Arbeit darin zu untersuchen, welche Methoden junge Erwachsene verwenden, um Misinformationen auf TikTok zu erkennen.
Da es sich bei der Fragestellung um ein exploratives Themenfeld handelte, zu dem bisher keine fundierte Forschung existierte, wurde sich für die Anwendung der Think-Aloud Methode entschieden. Den Studienteilnehmer*innen (N = 10) wurden jeweils acht Videos gezeigt, von denen fünf Misinformationen enthielten. Entschieden sich Proband*innen, ein Video gemäß der Dual Processing Modelle durch eine systemische Beurteilung zu bewerten, so wurde untersucht, welche Bewertungsstrategien angewendet wurden und wie diese im Rahmen des audiences‘ acts of authentication eingeordnet werden können.
Die Ergebnisse zeigten fünf Hauptstrategien zur Erkennung von Misinformationen auf: Anwenden des eigenen Wissens, Bewertung der Informationsquelle, Betrachtung des Videos, Überprüfung des sozialen Konsenses und Externe Suche. Ebenso wie vorherige Studien zu bildbasierten Plattformen zeigten, wurden Videoinhalte als glaubwürdig eingestuft, wenn sie mit dem eigenen Wissen übereinstimmten. Im Gegensatz zu bildbasierter Forschung wurde objektiven Merkmalen, wie Likes als Indikator für Misinformationen, jedoch eine geringere Relevanz zugeschrieben. Häufiger angewandt wurden dagegen inhaltlich-gestalterische Erkennungsstrategien, die in bisherigen Forschungsarbeiten nicht thematisiert wurden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass diese qualitative Studie erstmalig Erkenntnisse zu Strategien junge Erwachsene liefert, um Misinformationen auf TikTok zu erkennen. Jene gebrauchten häufig nicht nur eine einzelne, sondern nutzten verschiedene Strategien zur Bewertung der Videos. Insgesamt bewerten junge Erwachsene diese eher inhaltlich, als anhand formaler Kriterien. Aufgrund verschiedener Limitationen, sowie der fehlenden Repräsentativität der Stichprobe, sollte zukünftige Forschung die Ergebnisse in einem größeren Rahmen weiterführend untersuchen.