Methodisch wurde eine quantitative Inhaltsanalyse durchgeführt. Aus einer Grundgesamtheit von 14.503 Videos mit dem Hashtag #ManVsBear wurde – nach Sortierung nach dem like_count und dem Schwellenwert ≥ 10.000 Likes sowie weiteren Ausschlusskriterien – eine finale Stichprobe von N = 219 Videos ermittelt (Erhebungszeitraum: 10. April 2024 – 10. April 2025). Es wurden drei Hauptvariablen mit jeweiligen Unterkategorien codiert: feministische Kritik (u. a. weibliche Erfahrungen, Kritik an patriarchalen Machtstrukturen), misogyne Gewalt (u. a. Partnerschaftsgewalt, sexuelle Gewalt, Femizid, Victim Blaming / Rape Culture) und Kommunikationsstile (u. a. Logik, Narrativ, Humor). Dabei wurde die Zuverlässigkeit durch eine Intra-Coder-Reliabilität geprüft. Analytisch kam eine loglineare Analyse der dreidimensionalen Kontingenztafel (f1 x m1 x a1) zum Einsatz.
Eine Drei-Wege-Interaktion (f1 x m1 x a1) war nicht signifikant, wohingegen die Zwei-Wege-Interaktion feministische Kritik x Kommunikationsstil und misogyne Gewalt x Kommunikationsstil hoch signifikant ausfielen. Damit erweist sich der Kommunikationsstil als Schlüsseldimension: Logische Argumentation und Erfahrungsberichte sind besonders häufig mit sexueller Gewalt und allgemeinen GBV-Aussagen verknüpft, während Humor eher Strukturkritik akzentuiert. Insgesamt treten weibliche Perspektiven und Erfahrungen sowie sexuelle Gewalt und allgemeine GBV am häufigsten auf.
Final lässt sich sagen, dass nicht nur was gesagt wird, sondern auch wie kommuniziert wird, die feministische Kritik an misogyner Gewalt auf TikTok beeinflusst. Hashtags bündeln die Aufmerksamkeit und die Gesprächsgemeinschaften, während TikTok als Verstärker von Aufklärung und Erfahrungsberichten fungiert. Dies impliziert, dass Nutzer:innen, die feministische Kritik an misogyner – insbesondere sexueller – Gewalt äußern wollen, auf passende Kommunikationsstile setzen sollten, um die Sichtbarkeit der Problematik zu erhöhen. Die Ergebnisse liefern somit einen kommunikationswissenschaftlichen Beitrag zur Dynamik des digitalen feministischen Protests im Kontext von #ManVsBear.