transfer 29(4) » Rezeptions- und Wirkungsforschung

Kompetenzen erwerben, Vertrauen schenken? Die Relevanz digitaler Medienkompetenz für das Vertrauen in Wissenschaft

Eine quantitative Analyse basierend auf den Daten des TISP-Projekts

Trotz eines grundsätzlich hohen Vertrauens in Wissenschaft in Deutschland ist seit der Pandemie ein Rückgang von Personen mit hohem Vertrauen zu beobachten, während geringes oder kein Vertrauen zunimmt (Fecher et al., 2023). Dieser Trend kann eine Bedrohung für die demokratische Gesellschaft darstellen (Miller, 1983), da wissenschaftliche Erkenntnisse essenziell für die Lösung alltäglicher und krisenbezogener Probleme sind (Blöbaum, 2022; Cologna et al., 2024). Schwindet Vertrauen, begünstigt dies die Verbreitung von Desinformation, wodurch politische Entscheidungen auf unzureichender Informationsbasis getroffen werden können (Bromme, 2022; Howell & Brossard, 2021).

Bürger:innen sehen sich heutzutage mit einer Vielzahl an (wissenschaftlichen) Informationen in analogen wie digitalen Medien konfrontiert (Wolff, 2024). Soziale Medien mit niedrigschwelligem Zugang und der Möglichkeit zur Eigenproduktion von Inhalten, erweisen sich dabei als besonders wirksam für die Verbreitung von Inhalten, die wissenschaftliche Evidenz in Frage stellen (Blöbaum, 2022; Mede et al., 2024). Um dem zu begegnen, soll die Förderung einer wissenschaftsbezogenen digitalen Medienkompetenz (Digital Media Science Literacy) eine geeignete Maßnahme zur Stärkung des Vertrauens in Wissenschaft darstellen (Hendriks & Kienhues, 2019; Reif, 2021). Empirische Belege für ihren Einfluss fehlen bislang. Diese Studie adressiert diese Forschungslücke.

Auf Basis einer quantitativen Online-Befragung im Rahmen des TISP-Projekts Deutschland (n = 980; 49,13% männlich, MAlter = 45; SD = 15.2), durchgeführt im Februar 2023, wurden Interaktionseffekte analysiert, die die Relevanz von Digital Media Science Literacy für das Vertrauen in Wissenschaft herausstellen sollen. Dabei wird auf die Nutzung, Vertrauenswürdigkeit und Interaktionen mit wissenschaftsbezogenen Inhalten in den Sozialen Medien versus digitalen Nachrichtenmedien sowie soziodemographische Faktoren eingegangen. Mittels hierarchischer multipler Regression zeigte sich ein signifikanter Haupteffekt von Digital Media Science Literacy auf das Vertrauen in Wissenschaft (β = 0.17***). Zusätzlich wurden schwächer ausgeprägte, aber signifikante Interaktionseffekte identifiziert, insbesondere mit der Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Inhalte in sozialen Medien (β = 0.12**), Wohnort (β = 0.06*) und politischer Orientierung (β = 0.11**).

Auch wenn nur gering signifikante und vergleichsweise schwache Interaktionseffekte festgestellt wurden, gelang es der Studie aufzuzeigen, dass die Digital Media Science Literacy je nach Kontext und Bevölkerungsgruppe Effekte hervorrufen kann und demnach eine geeignete Maßnahme zur Stärkung von Vertrauen in Wissenschaft darstellt.