Die Bachelorarbeit untersucht, wie #TradWives auf TikTok affektive Dynamiken erzeugen und fragt nach dem rechtsextremen Radikalisierungspotenzial dieses dezidiert weiblichen Phänomens. Basierend auf einem extensiven Forschungsstand zur Metapolitisierung und Affektivität rechtsextremer Kommunikationsstrategien wird eine vielfach kritisierte Leerstelle behandelt: Die in Forschung und Gesamtgesellschaft zu wenig beleuchtete Rolle von Frauen als aktive Kommunikatorinnen und Adressatinnen rechter Metapolitik.
#TradWives werden als Erzählgemeinschaft um ein kulturelles Imaginary verstanden — eine Erzählung der Welt, die als Subjektivierungsinstanz im Sinne der äußersten Rechten fungiert. Das #Trad-Imaginary ist eine idealisierte, gegenderte und rassifizierte Vision von Femininität, die auf TikTok in einer medialen Affektökonomie stetig (re-)produziert wird und Rezipientinnen in affektive Dynamiken einbindet. Diese bringen das Imaginary als eine zunächst spatio-temporal situierte Weltgewandtheit produktiv hervor – als eine affektive Subjektivierung, die einer genuinen ideologischen Radikalisierung die Grundlage bereitet.
Ein aus einer Vorauswahl von Inhalten unter dem Hashtag #tradwife bewusst entlang dreier Kriterien — der Abwesenheit expliziter politischer Claims, einer ästhetisch-narrativen Reichhaltigkeit der Kommunikationsmodi sowie der größtmöglichen Variation der eingesetzten inhaltlich-gestalterischen Mittel — ausgewählter Korpus von fünf TikTok-Videos wurde in einer qualitativen, multimodalen Inhaltsanalyse hinsichtlich des affektiven Potenzials jener ästhetischen und narrativen Video-, Audio- und Text-Elemente untersucht, die von #TradWives zur Erzeugung des Imaginaries eingesetzt werden.
Die Arbeit identifiziert fünf distinkte affektive Register, deren narrativ-ästhetische Gestaltung jeweils unterschiedliche Affekte mobilisiert: das Schöne, Ruhige, Ironische, das Testimonial und das Gegenkulturelle. Sie alle erzeugen affektiv-performative Femininität als durch ein narratives Anderes marginalisiert — einen vermeintlich hegemonialen feministischen Zeitgeist, der an Affekte der Bedrohung einer inhärenten Schönheit, der Gehetztheit und der Lächerlichkeit gebunden wird, dessen Ablehnung mit transgressiver Freude aufgeladen zum gegenkulturellen Selbstzweck wird. Sie alle hegen das Potenzial, affektive Dispositionen junger Frauen, die untrennbar mit ihrer (ökonomischen) Lebensrealität innerhalb der neoliberalen Ordnung verbunden sind, zu synthetisieren und die Herstellung einer antifeministischen, weiblichen Subjektivität für die äußerste Rechte zu ermöglichen.
So demonstriert die Arbeit die Notwendigkeit, Inhalte von und für Frauen als Ressource für das metapolitische Projekt der äußersten Rechten zu verstehen, die sich imstande zeigt, Ängste, Ärger und Enttäuschungen junger Frauen zu mobilisieren und bietet so eine fruchtbare Perspektive für zukünftige Forschung.