Diese Studie untersucht, wie der ursprüngliche Standort und die Aura eines virtuellen Objekts die Immersion in Augmented-Reality-Anwendungen (AR) beeinflussen. Im Fokus steht die Frage, wie sich die Immersion verändert, wenn ein virtuelles Objekt, das ursprünglich aus der realen Welt stammt, an seinem Ursprungsort oder außerhalb davon projiziert wird. Um dies zu analysieren, wurden drei verschiedene experimentelle Bedingungen geschaffen, die unterschiedliche Grade von Aura erzeugen sollten.
Die Relevanz dieser Studie ergibt sich aus der zunehmenden Verbreitung von AR-Technologien in Bildung, Kultur und Umweltschutz. Insbesondere in der Museums- und Denkmalpflege kann AR dazu beitragen, historische Orte immersiver zu vermitteln und deren Wahrnehmung zu verbessern. Durch das Verständnis der Einflussfaktoren auf Immersion können beispielsweise Entwickler:innen gezielt AR-Erfahrungen gestalten, die eine stärkere emotionale Bindung und ein verbessertes Lernerlebnis ermöglichen.
Die drei Versuchsgruppen wurden so konzipiert, dass sie jeweils einen unterschiedlichen Grad an Aura bei den Proband:innen hervorrufen sollen. Gruppe 1 erlebte die AR-Anwendung am Ursprungsort der virtuellen Rekonstruktion, der Ruine des Gehrener Schlosses. Dabei wurde das virtuelle Schloss direkt auf die vorhandene Ruine projiziert, sodass eine hohe Kontextualisierung gegeben war. Zudem konnten die Proband:innen interaktive Elemente wie virtuelle Schriftrollen erkunden, die zusätzliche historische Informationen enthielten. In Gruppe 2 fand das Experiment an einem anderen Ort statt, sodass die Proband:innen das Schloss nicht direkt am Ursprungsort betrachten konnten. Gruppe 3 erhielt denselben Versuchsaufbau wie Gruppe 2, allerdings ohne eine vorherige Information über die Geschichte des Schlosses. Die Immersion wurde mittels eines standardisierten Fragebogens mit 21 Items erhoben, basierend auf dem Modell von Georgiou & Kyza, das Immersion als psychologisches Konstrukt definiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Aura eines virtuellen Objekts, insbesondere sein Ursprungsort und die narrative Einbettung, einen leichten bis mittleren Einfluss auf die wahrgenommene Immersion haben. Dieser Effekt war besonders ausgeprägt, wenn das virtuelle Objekt an seinem ursprünglichen Standort betrachtet wurde. Hypothesen wie der Zusammenhang zwischen persönlicher Bindung und erhöhter Immersion konnten teilweise bestätigt werden. Ebenso zeigte sich, dass unerfahrene AR-Nutzer:innen in bestimmten Dimensionen höhere Immersionserfahrungen berichteten als erfahrene Nutzer:innen, wenngleich hier differenzierte Ergebnisse vorliegen.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Kontextualisierung virtueller Objekte, insbesondere in kulturellen Anwendungen von AR. Sie legt nahe, dass narrative und ortsbezogene Elemente gezielt genutzt werden können, um die Immersion zu steigern. Zukünftige Forschung könnte untersuchen, wie verschiedene Darstellungsformen von Aura sowie unterschiedliche Objektarten die Immersion weiter beeinflussen.