Der zunehmende Einsatz generativer künstlicher Intelligenz verändert etablierte journalistische Produktionsprozesse und wirft angesichts des sinkenden Vertrauens in Nachrichtenmedien die Frage auf, wie Rezipient:innen automatisiert erstellte Inhalte wahrnehmen und bewerten. Der bisherige Forschungsstand liefert hierzu ein uneinheitliches Bild, wobei insbesondere der Einfluss des journalistischen Ressorts bislang unzureichend berücksichtigt wurde. Die vorliegende Arbeit untersucht daher, wie sich die Kennzeichnung von Nachrichtenartikeln als „KI-generiert“ im Vergleich zu „von Journalist:in verfasst“ auf die wahrgenommene Glaubwürdigkeit und Qualität auswirkt, ob sich dieser Effekt zwischen den Ressorts Politik und Sport unterscheidet und ob er durch individuelle Merkmale der Rezipient:innen moderiert wird. Den theoretischen Rahmen bilden das MAIN-Modell mit der darin beschriebenen Autoritäts- und Maschinenheuristik, die Unterscheidung zwischen Hard und Soft News sowie die Expectancy Violation Theory und die Expectation Confirmation Theory zur Erklärung erwartungsbasierter Bewertungsprozesse. Ergänzend werden Alter und themenspezifisches Interesse als mögliche Moderatoren einbezogen.
Zur empirischen Überprüfung der Hypothesen wurde ein 2×2-faktorielles Online-Experiment mit den unabhängigen Variablen Ressort (Politik vs. Sport) und Autorschaft (Journalist:in vs. künstliche Intelligenz) durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden hierbei zufällig einer der vier Experimentalbedingungen zugewiesen und bewerteten anschließend den jeweiligen Artikel. Nach Bereinigung der ungültigen Fälle umfasste die finale Stichprobe 258 Personen.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Ressort selbst weder die Glaubwürdigkeits- noch die Qualitätsbewertung signifikant beeinflusst. Ein signifikant negativer Effekt zeigt sich jedoch bei der KI-Kennzeichnung. Die Kennzeichnung eines Artikels als „von künstlicher Intelligenz (ChatGPT) erstellt“ führt sowohl im politischen als auch im sportlichen Kontext zu einer geringeren Wahrnehmung von Glaubwürdigkeit und Qualität im Vergleich zu identischen Beiträgen, die durch eine:n menschliche:n Autor:in gekennzeichnet sind. Die Befunde legen nahe, dass die Autorschaftskennzeichnung als besonders saliente Information fungiert, die die Bewertung der Inhalte stärker prägt als der thematische Kontext selbst. Weder das Alter noch das themenspezifische Interesse der Befragten moderieren diesen Zusammenhang signifikant.