Der Fachkräftemangel im Bauingenieurwesen und sinkende Studienanfängerzahlen stellen sowohl die Baubranche als auch die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Bauingenieurinnen und Bauingenieure sind für zentrale Infrastruktur und Zukunftsaufgaben wie Klimawandel, Urbanisierung und Wohnraummangel unverzichtbar. Um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern, müssen wieder mehr junge Menschen für den Bauingenieurberuf gewonnen werden.
Vor diesem Hintergrund geht die Arbeit der Frage nach, wie junge Erwachsene im Alter von 16 bis 20 Jahren zielgruppengerecht angesprochen werden können, um Aufmerksamkeit für den Bauingenieurberuf zu schaffen und Interesse zu wecken. Theoretische Grundlage bilden Erkenntnisse zu Lebenswelten, Mediennutzung, Wertvorstellungen und Berufsorientierung der Generation Z sowie zur digitalen Zielgruppenkommunikation. Dazu untersucht die Arbeit zwei digitale Ansätze und entwickelt Gestaltungsempfehlungen für eine zielgruppengerechte Informationswebsite und Influencer-Marketing.
Methodisch basiert die Arbeit auf einer Literaturanalyse aktueller deutschsprachiger Jugend- und Trendstudien. Ergänzend wurden zwei leitfadengestützte Experteninterviews in den Bereichen Recruiting und digitaler Berufsorientierung geführt. Eine Best- und Worst-Practice-Analyse untersuchte digitale Berufs- und Studieninformationsangebote. Für die Identifikation geeigneter Influencer wurde ein systematisches Screening mit definierten Themenfeldern und Auswahlkriterien entwickelt.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine zielgruppengerechte Ansprache für die Generation Z relevante Werte wie Sicherheit und Individualität sowie Freizeitidentitäten, Hobbys und Interessen aufgreifen sollte. Ebenso sind digitale Nutzungsgewohnheiten zu berücksichtigen. Eine Website sollte mobiloptimiert, visuell und audiovisuell geprägt, leicht verständlich und interaktiv gestaltet sein. Neben Informationen zu Tätigkeitsfeldern und Studium sollten Aspekte wie Zukunftssicherheit, gesellschaftliche Bedeutung, Nachhaltigkeit und berufliche Vielfalt vermittelt werden. Gamification-Elemente wie Selbsttests und spielerische Berufssimulationen sowie persönliche Kontaktmöglichkeiten stellen weitere geeignete Elemente dar.
Für Influencer-Kooperationen wurden ein glaubwürdiger Marken-Fit und die Relevanz für die junge Zielgruppe als zentrale Auswahlkriterien identifiziert. Geeignete Profile können unter anderem aus Themenfeldern wie Technik, DIY, Gaming oder Nachhaltigkeit stammen. Inhalte und Vermittlungsform sollten an Profil und Community angepasst werden, um eine authentische Ansprache zu ermöglichen.
Besonders erfolgversprechend erscheint die Kombination beider Instrumente: Influencer können Aufmerksamkeit schaffen, während die Website vertiefende Informationen bereitstellt. Die Arbeit liefert damit nicht nur konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Nachwuchskommunikation im Bauingenieurwesen, sondern auch übergreifende Erkenntnisse zur zielgruppengerechten Ansprache der Generation Z, die sich mit entsprechenden Anpassungen auf andere Branchen übertragen lassen.