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Angriffe von rechts

Auswirkungen rechtsextremer Bedrohungen auf die journalistische Praxis in Deutschland. Eine Interview-Studie

JournalistInnen, die über Rechtsextremismus berichten, geraten zunehmend selbst ins Visier. In den letzten fünf Jahren nahmen Anfeindungen, Einschüchterungen und direkte Angriffe aus rechtsextremen Kreisen spürbar zu. Diese Entwicklung bedroht nicht nur die Pressefreiheit, sondern stellt auch die Demokratie auf den Prüfstand.

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie sich rechtsextreme Bedrohungen in den letzten fünf Jahren entwickelt haben und wie sie die journalistische Praxis beeinflussen. Im Zentrum steht dabei die Perspektive von vier JournalistInnen, die in leitfadengestützten Interviews von wiederholten Bedrohungen berichteten.

Die Bandbreite der Bedrohungen reicht von verbalen Angriffen über juristische
Einschüchterung bis hin zu physischen Übergriffen. Die Auswirkungen sind für die Betroffenensubstanziell. Sie nehmen persönliche Risiken in Kauf und entwickeln Sicherheitsstrategien wie anonyme Veröffentlichungen, veränderte Recherchemethoden und erhöhte Vorsicht bei der Themenwahl. Obwohl viele betonen, sich inhaltlich nicht einschränken zu wollen, zeigen sich dennoch Formen von Selbstzensur.
Zudem äußern die Befragten Misstrauen gegenüber staatlichen Schutzmaßnahmen. Anzeigen verliefen häufig im Sand, Verfahren würden eingestellt, und die Polizei zeige nicht immer uneingeschränkte Einsatzbereitschaft. Diese Erfahrungen untergraben das Vertrauen in den Rechtsstaat und tragen dazu bei, dass betroffene Medienschaffende zum Selbstschutz greifen und ihre Arbeit individuellen Einschränkungen unterwerfen.

Die Ergebnisse machen deutlich: rechtsextreme Bedrohungen betreffen nicht nur einzelne Medienschaffende, sondern führen zu strukturellen  Einschränkungen der Pressefreiheit. Die journalistische Praxis bewegt sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen Bedrohung und Unabhängigkeit. Um diese Entwicklung aufzuhalten, bedarf es gezielter Schutzmaßnahmen, eines stärkeren gesellschaftlichen Bewusstseins sowie eines klaren Bekenntnisses der demokratischen Institutionen zur Verteidigung der Pressefreiheit.