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Am Anfang war das Flugblatt – und dann der Skandal.

Eine quantitative Inhaltsanalyse der Onlineberichterstattung über Hubert Aiwanger.

Ab dem 25. August 2023 prägte die sogenannte Flugblattaffäre die politische und mediale Landschaft Deutschlands. Ausgelöst wurde die Kontroverse durch die öffentliche Diskussion über ein antisemitisches Flugblatt aus den 1980er-Jahren, das Hubert Aiwanger, dem Bundesvorsitzenden der Freien Wähler, zugeschrieben wurde. Der Fall löste eine intensive Medienberichterstattung und eine Debatte über Aiwangers Verbleib im Amt aus, die auch durch seinen Vorwurf einer medialen Schmutzkampagne geprägt wurde. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit, wie sich die Onlineberichterstattung über Hubert Aiwanger im Verlauf der Flugblattaffäre gestaltete und welche publizistischen Strategien darin erkennbar waren.

Mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse wurde die Berichterstattung von bild.de, sueddeutsche.de, faz.net und nn.de im Zeitraum vom 25. August bis zum 10. Oktober 2023 analysiert. Die Vollerhebung umfasste 376 Onlineartikel und 552 darin enthaltene wertende Aussagen über Aiwanger. Untersucht wurde, welche Merkmale die Onlineberichterstattung über den Fall Aiwanger hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Inhalte und der Bewertung seiner Person im zeitlichen Verlauf aufwies. Zudem wurde geprüft, ob die Medien ein Täter- oder Opfer-Framing bevorzugten und ihre Position durch das Hoch- beziehungsweise Herunterspielen bestimmter Themen (instrumentelle Aktualisierung) oder durch die gezielte Auswahl von Zitaten anderer Akteure (opportune Zeugen) zum Ausdruck brachten.

Die Ergebnisse zeigen eine intensive, ereignisorientierte Berichterstattung mit zwei Aufmerksamkeitshöhepunkten und einem insgesamt negativen Tenor. Inhaltlich konzentrieren sich die Beiträge vor allem auf die Veröffentlichung des Flugblatts und Umfrageergebnisse zu Parteipräferenzen. Drei Viertel der Beiträge stellten Aiwanger weder eindeutig als Täter noch als Opfer dar. Bei eindeutiger Zuordnung überwog das Täter-Frame; bild.de verwendete das Opfer-Frame am häufigsten. Auch die wertenden Aussagen der Journalist:innen fallen insgesamt negativ aus. So ist die redaktionelle Linie von sueddeutsche.de, faz.net und nn.de stark negativ, während bild.de eine leicht positive Tendenz aufweist. Diese Unterschiede lassen sich nur bedingt durch instrumentelle Aktualisierung oder den Einsatz opportuner Zeugen erklären. Ein Hochspielen der Konfliktsicht der vier Medien kann bei den Themen Veröffentlichung des Flugblatts und Aiwangers Äußerungen verzeichnet werden. Mit den häufigen Zitaten von SPD- und Grünen-Politikern liefern sueddeutsche.de, faz.net und nn.de Hinweise auf den Einsatz opportuner Zeugen. Insgesamt weist der Fall sowohl Merkmale medialer Skandalisierung als auch eines publizistischen Konflikts auf.