Die Arbeit untersucht rechtspopulistische Kommunikation am Beispiel des AfD-Politikers Maximilian Krah. Ziel ist es, mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse populistische Narrative sowie rhetorische und stilistische Mittel systematisch zu erfassen und ihren funktionalen Zusammenhang zu analysieren. Die unterschiedlichen Ausprägungen populistischer Kommunikation wurden theoriegeleitet innerhalb eines Makro-Meso-Mikro-Modells kategorisiert, um differenzierte Erkenntnisse über die sprachlichen Ebenen rechtspopulistischer Kommunikation zu gewinnen.
Die Analyse erfolgte in zwei Schritten: Zunächst wurden narrative, rhetorische und stilistische Mittel identifiziert, um ein detailliertes Sprachprofil der Kommunikation Krahs zu erstellen. Anschließend wurden diese Ausdrucksformen mit der Typologie von Jagers & Walgrave (2007) in Beziehung gesetzt, um zu untersuchen, wie sich die einzelnen Populismustypen sprachästhetisch realisieren lassen und welche Formen populistischer Sprache sich außerhalb des Modells bewegen. Untersucht wurde eine Stichprobe von 75 TikTok-Videos, veröffentlicht zwischen Mai 2022 und Dezember 2024.
Die Analyse zeigt, dass Krisendarstellungen und Schuldzuweisungen eng miteinander verknüpft sind, um Emotionen zu schüren und politische Gegner zu delegitimieren. Komplexe Entwicklungen werden auf eine binäre Gegenüberstellung zwischen der amtierenden Politik und einem national aufgeladenen Volkskorpus reduziert. Die Dringlichkeit wird durch Skandalisierung, Dramatisierung und polarisierende Metaphern wie „Blase Brüssel“ rhetorisch und stilistisch zugespitzt. Die Kombination von Krisendarstellungen und Schuldzuweisungen mündet in einer gezielten Ansprache des Volkes. Die angestrebte Mobilisierung erfolgt durch den verstärkten Einsatz direkter Appelle, Parolen und Suggestivtechniken, die sowohl explizite als auch implizite Handlungserwartungen an die Rezipient:innen richten. Rund 23 Prozent der analysierten Videos lassen sich nicht direkt der Typologie von Jagers & Walgrave (2007) zuordnen, da sie keinen expliziten Volksbezug aufweisen. Diese Videos greifen zwar auf zentrale Elemente populistischer Kommunikation wie Schuldzuweisungen und Emotionalisierung zurück, verzichten jedoch auf die klassische Dichotomie zwischen Volk und Elite. Statt kollektiver Ansprache tritt in diesen Fällen die Betonung individueller Autonomie und persönlicher Anpassungsfähigkeit an gesellschaftliche Entwicklungen in den Vordergrund. Krah richtet seine Kommunikation gezielt an ein männliches Publikum, insbesondere an junge Männer und Erstwähler. Er propagiert ein konservatives, traditionelles Männlichkeitsbild, das über Attribute wie Stärke, Selbstbewusstsein und Patriotismus definiert wird, während alternative Männlichkeitsbilder abgewertet und mit progressiven politischen Strömungen verknüpft werden.