Die durch den digitalen Strukturwandel entstandenen sozialen Plattformen haben das Verständnis von Öffentlichkeit und somit die Rolle des Journalismus gewandelt. Die klassische, einseitige Kommunikation wird durch die technischen Potenziale des Digitalen aufgelöst. Dies ermöglicht einen vielseitigen Austausch in beide Kommunikationsrichtungen. Um seine Aufgabe im veränderten Mediensystem erfüllen zu können, muss sich der Journalismus neu ausrichten und auf digitalen Plattformen aktiv werden. Das schnell wachsende soziale Netzwerk TikTok hat sich in diesem Zuge zu einer signifikanten Plattform entwickelt, da es bei jüngeren Rezipientinnen und Rezipienten sehr beliebt ist.
Um auch der Generation Z zielgruppengerechte Nachrichten zu bieten, musste sich besonders die Tagesschau als etabliertes Nachrichtenformat wandeln. Seit 2019 betreibt sie einen Kanal auf TikTok. Damit die Tagesschau im Sinne des Medienstaatsvertrags und der Zusätze für Telemedienangebote auf der Plattform aktiv sein kann, sollte der journalistische Qualitätsanspruch auch auf TikTok erkennbar sein.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformats Tagesschau auf TikTok zu untersuchen. Es gilt zu bewerten, inwiefern die Inhalte nach Dimensionen der journalistischen Qualität in klassischem Verständnis, der internetspezifischen Qualität und der Erfolgskriterien auf TikTok vermittelt werden. Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde eine qualitative Inhaltsanalyse mit deduktiver Kategorienanwendung nach Mayring durchgeführt.
Die Analyse zeigt, dass die Tagesschau nahezu alle Kriterien abdecken konnte, obwohl sich einige journalistische und TikTok-spezifische Faktoren prinzipiell nur schwer miteinander vereinbaren lassen. Die Tagesschau kann somit als Best-Practice-Beispiel für etablierte Medienformate auf sozialen Plattformen bewertet werden. Mit ihren Beiträgen reagiert die Tagesschau auf den Medienwandel und erreicht damit vor allem die junge Zielgruppe auf TikTok.