Filmische Repräsentationen dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern prägen gesellschaftliche Vorstellungen von Macht, Moral und sozialen Verhältnissen. Besonders das Narrativ des White Saviorism findet sich bis heute in zahlreichen Mainstream-Kinoproduktionen wieder und reproduziert koloniale Hierarchien, indem weiße Figuren als moralische Retter*innen und Schwarze Figuren als passive oder abhängige Hilfsempfänger*innen inszeniert werden. Die vorliegende Bachelorarbeit geht der Frage nach, wie sich das Narrativ des White Saviorism in den Filmen The Blind Side (2009) und The Help (2011) entlang der Figuren manifestiert. Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, wie koloniale Machtverhältnisse über filmische Repräsentation fortgeschrieben werden und welche Rolle Figurenbeziehungen dabei spielen.
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen, diskurstheoretischen Ansatz der Filmanalyse und verbindet kommunikationswissenschaftliche Perspektiven mit postkolonialen Theorien von Homi K. Bhabha und Gayatri C. Spivak. Aufbauend auf Bhabhas Überlegungen zu Ambivalenz und Mimikry sowie Spivaks Konzepten von Subalternität und Sprechmacht wurden drei theoriegeleitete Analysekategorien entwickelt: 1. Funktionalisierung als Projektionsfläche, 2. Sprechmacht & Repräsentationsmacht sowie 3. Bewegung im Spannungsfeld kolonialer Normen. Anhand dieser Kategorien wurden zentrale Szenen und die darin dargestellten Figurenkonstellationen untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Schwarze Figuren in beiden Filmen primär als Projektionsflächen weißer moralischer Selbstvergewisserung fungieren. Gleichzeitig bleibt Sprechmacht an weiße Vermittlungsinstanzen gebunden, wodurch Schwarze Stimmen narrativ gefiltert werden. Darüber hinaus wird deutlich, dass Anpassung an weiße Normen Differenz und Hierarchie nicht auflöst, sondern weiterhin stabilisiert. White Saviorism erscheint somit als diskursive Struktur, die koloniale Machtverhältnisse über filmische Repräsentation fortschreibt und bestehende gesellschaftliche Hierarchien reproduziert.