Rassismus zählt zu den zentralen Diskriminierungsformen im Arbeitsleben und äußert sich sowohl in offenen als auch in subtilen kommunikativen Praktiken. Während das Vorkommen rassistischer Diskriminierung im Arbeitskontext durch quantitative Studien gut dokumentiert ist, liegen bislang nur wenige qualitative Untersuchungen zu den konkreten kommunikativen Erscheinungsformen rassistischer Erfahrungen im Berufsalltag vor. Die vorliegende Arbeit untersucht daher, welche typischen kommunikativen Rassismuserfahrungen Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund in unterschiedlichen Berufs- und Beschäftigungsverhältnissen machen und welche Rolle betriebliche Hierarchien dabei spielen. Theoretisch knüpft die Untersuchung an Forschung zu Alltagsrassismus und rassistischen Mikroaggressionen sowie an Arbeiten zu Rassismuserfahrungen im Arbeitskontext und zur Bedeutung organisationaler Hierarchien an.
Grundlage der Studie bilden acht leitfadengestützte Interviews mit Beschäftigten verschiedener Berufsgruppen und Hierarchieebenen. Die Datenauswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Ausgehend von induktiv und deduktiv entwickelten Kategorien wurden wiederkehrende Muster kommunikativer Rassismuserfahrungen identifiziert und zu vier Typen verdichtet.
Die Analyse zeigt vier zentrale Erscheinungsformen: sprachlicher Rassismus, die Konstruktion von Fremd- und Andersartigkeit, subtiler Rassismus sowie die Zuschreibung fachlicher Inkompetenz. Sprachlicher Rassismus umfasst unter anderem rassistische Bezeichnungen, Witze und aggressive Kommunikationsformen. Die Konstruktion von Fremd- und Andersartigkeit äußert sich beispielsweise in der Wahrnehmung als nicht zugehörig, exotisierenden Zuschreibungen und stereotypen Annahmen. Subtiler Rassismus zeigt sich insbesondere in Mikroaggressionen, Tokenism, kultureller Ignoranz sowie der Relativierung oder Verharmlosung rassistischer Erfahrungen. Darüber hinaus berichten die Befragten von einer wiederkehrenden Infragestellung ihrer fachlichen Kompetenz und beruflichen Qualifikation. Unterschiede zwischen den Hierarchieebenen zeigen sich vor allem hinsichtlich einzelner Ausprägungen der Erfahrungen, während die vier Typen hierarchieübergreifend auftreten.
Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zum Verständnis kommunikativer Erscheinungsformen von Rassismus im Arbeitskontext und zeigen, dass sich rassistische Kommunikation über unterschiedliche Berufs- und Beschäftigungsverhältnisse hinweg in wiederkehrenden Mustern manifestiert.