Mit Falschinformationen werden Risiken, etwa für die Stabilität von Demokratien oder die Gesundheit der Gesellschaft verbunden (West & Bergstrom, 2021). Falschinformationen zu wissenschaftlichen Themen sind besonders problematisch, da diese schwer zu korrigieren sind (Chan & Albarracín, 2023) und das Vertrauen in Wissenschaft verringern können (Southwell et al., 2022). Fact Checking gehört in diesem Kontext zu den populärsten Interventionsmaßnahmen (Ceron et al., 2021). Fact Checking-Organisationen können aber nicht alle Falschinformationen prüfen. Sie müssen eine Auswahl treffen, weshalb sie häufig kritisiert werden, voreingenommen zu sein (Aïmeur et al., 2023; Ceron et al., 2021). Vor diesem Hintergrund untersucht diese Arbeit:
FF1: Welche Falschinformationen zu wissenschaftlichen Themen werden von Fact Checking-Organisationen bearbeitet?
FF2: Lassen sich anhand der Merkmale von Falschinformationen zu wissenschaftlichen Themen, die von Fact Checking-Organisationen bearbeitet werden, Typen von Falschinformationen identifizieren?
Die Fragen werden mithilfe einer quantitativen Inhaltsanalyse und einer Clusteranalyse bearbeitet. Analysiert wurden Faktenchecks von sieben deutschen Organisationen: BR24 Faktenfuchs, ZDFheuteCheck, ARD Faktenfinder, Echtjetzt von CORREKT!V, AFP Faktenfinder, DW Faktencheck und dpa-Faktencheck. Im Untersuchungszeitraum (01.05.2023 – 10.06.2024) wurden anhand des Aufgreifkriteriums wissenschaftliches Thema 341 relevante Faktenchecks identifiziert und inhaltsanalytisch bearbeitet. Erhoben wurden: Wahrheitsgehalt, Quelle/Verbreiter:in, Verbreitung, Format, Entstehung, Art der Falschinformation, Thema, involvierte Akteur:innen, wissenschaftlicher Bereich, Darstellung wissenschaftlicher (Un-)Sicherheit, verwendete Evidenz, Informationsmenge und Erklärung des wissenschaftlichen Prozesses. Mithilfe einer hierarchischen Clusteranalyse nach dem Ward-Verfahren wurden aufbauend auf den Ergebnissen der Inhaltsanalyse Falschinformationstypen identifiziert.
Bearbeitete Falschinformationen zu wissenschaftlichen Themen im Sample sind oft absichtlich erstellte falsche oder irreführende Texte oder Videos, die durch Social-Media-Nutzer:innen insbesondere über Facebook verbreitet wurden. Es sind oft Desinformationen, die das Thema Klima oder Nachhaltigkeit behandeln und den Naturwissenschaften zuzuordnen sind. Die Faktenchecks stellen die wissenschaftliche Lage meist als sicher dar und verwenden wissenschaftliche Quellen als Evidenz. Die Clusteranalyse legt eine Differenzierung in sechs Falschinformationstypen nahe, die anhand ihrer wichtigsten Charakteristika definiert werden (sortiert nach Häufigkeit):
1. Klima-Falschinformationen in sozialen Medien
2. Misinformationen zu Gesundheitsthemen
3. Verschwörungstheorien mit politischem Bezug
4. COVID-19 Desinformationen auf Telegram
5. Fehlerhafte Berichterstattung durch Journalist:innen, Autor:innen oder Blogger:innen
6. Politische Propagandavideos