In dieser Masterarbeit wird untersucht, wie spezifische Frames in Medienartikeln zu Flucht- und Migrationsthemen die Art und das Ausmaß von Hate Speech (HS) und Offensive Language (OL) in den zugehörigen Kommentaren sozialer Medien beeinflussen.
Die theoretische Grundlage bildet das Zusammenspiel von Hate Speech, verstanden als negative Stereotypisierung, Entmenschlichung oder Gewaltandrohung und dem Framing-Ansatz nach Entman (1993). Analysiert wurden sechs themenspezifische Frames: Wirtschafts-, Wohlfahrts-, Sicherheits-/Securitization-, Humanitärer, Kriminalitäts- und Ansiedlungs-Frame.
Die Datengrundlage basiert auf einer quantitativen Inhaltsanalyse eines Datensatzes des NOHATE-Projekts der Freien Universität Berlin. Die Netto-Stichprobe umfasst 98 Nachrichtenbeiträge und 4.166 Kommentare aus fünf Online-Quellen. Während HS- und OL-Variablen dem NOHATE-Datensatz entnommen wurden, erfolgte die Codierung der Frames manuell in vier Intensitätsstufen (0–3). Zur Hypothesenprüfung wurden binär-logistische Regressionsanalysen durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Prävalenz negativer Sprache: 24,9 % aller Kommentare enthielten Hate Speech, wobei Verallgemeinerungen (n = 570) die häufigste Form von Hassrede darstellten. Fast 40 % der Kommentare wiesen Offensive Language auf. In den untersuchten Nachrichtenbeiträgen dominierte der Sicherheits- und Securitization-Frame.
Die Regressionsanalysen belegen einen deutlichen Einfluss medialer Frames: Der Sicherheitsframe wirkt klar eskalierend und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Hate Speech (+14,4 %, p = 0,002) sowie Offensive Language (+12,6 %, p = 0,006). Demgegenüber zeigt der Humanitäre Frame einen signifikant deeskalierenden Effekt und reduziert insbesondere Offensive Language (–15,8 %, p = 0,001). Auch der Ansiedlungs-Frame wirkt sprachlicher Aggression entgegen. Wirtschafts-, Wohlfahrts- und Kriminalitäts-Frames weisen dagegen keine signifikanten Effekte auf.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bedrohungsorientierte mediale Frames sprachliche Aggression in Online-Diskursen verstärken, während humanitäre und integrative Darstellungen feindselige Kommunikation reduzieren können.