Vom Einkaufszettel über To-Do-Listen bis hin zu tiefgreifenden, emotionalen Texten: Notizen begleiten den Alltag in unterschiedlichsten Formen. Als persönliche Archive des Selbst können sie nicht nur Informationen festhalten, sondern auch Gedanken, Erinnerungen und Emotionen sichtbar machen.
Die vorliegende praxisorientierte Bachelorarbeit untersucht, warum Menschen Notizen anlegen, welche unterschiedlichen Funktionen sie erfüllen und welche Bedeutung ihnen im Alltag zugeschrieben wird. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Konzeption und Gestaltung eines populärwissenschaftlichen Buches über die alltägliche Notizpraxis.
Im theoretischen Teil wird das Notieren aus interdisziplinärer Perspektive betrachtet und insbesondere mit Ansätzen der Medien-, Geschichts- und Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie in Beziehung gesetzt. Unter Bezug auf die Theory of the Extended Mind von Clark und Chalmers, das Konzept des aktiven Externalismus, die eingeschränkte Enkodierhypothese sowie Ansätze des expressiven Schreibens wird untersucht, inwiefern Notizen als Erweiterung von Gedächtnis und Denken fungieren. Die theoretische Auseinandersetzung zeigt, dass Notizen nicht ausschließlich als praktische Gedächtnisstützen fungieren, sondern als materielle Erweiterung und Externalisierung des menschlichen Gedächtnisses verstanden werden können. Durch die Materialisierung von Gedanken entsteht zudem ein reflexiver Zwischenraum, in dem eigene Gedanken visualisiert, beobachtet und neu bewertet werden können.
Ergänzend wurde die alltägliche Notizpraxis empirisch untersucht. Hierfür erfolgte eine qualitative, interpretative Auswertung der persönlichen Notizen der Autorin sowie von leitfadengestützten Interviews mit 15 Personen im Alter von 21 bis 78 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass das Erinnern das zentrale und von allen Befragten genannte Motiv für das Notieren darstellt. Darüber hinaus werden Notizen genutzt, um Gedanken zu ordnen, festzuhalten oder aus dem Kopf auszulagern. Insbesondere das Aufschreiben belastender Gedanken und Gefühle wird als entlastend und ordnend beschrieben. Die Wahl zwischen analogem und digitalem Notieren ist hingegen stark von Gewohnheit und Situation abhängig. Insbesondere unterwegs löst das Smartphone das Papier als mobiles Schreibmedium zunehmend ab.
In der Verbindung der theoretischen und empirischen Erkenntnisse wird deutlich, dass Notizen weit über das bloße Festhalten von Informationen hinausgehen. Sie unterstützen sowohl die Organisation des Alltags als auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken und Erleben. Die Ergebnisse dienten als inhaltliche Grundlage für die Entwicklung eines 72-seitigen Hardcover-Buches, das die Vielfalt alltäglicher Notizpraktiken anhand von Beispielen und Interviewaussagen populärwissenschaftlich vermittelt.