Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie AfD-Politiker auf TikTok Männlichkeitsbilder konstruieren und inwieweit diese zwischen hegemonialer Männlichkeit und Maskulinismus verortet werden können. Die AfD erzielt besonders unter jungen Männern überdurchschnittliche Wahlerfolge und ist zugleich eine der sichtbarsten und reichweitenstärksten Parteien auf TikTok. Damit trifft ein geschlechterpolitisch umkämpfter Diskurs auf eine Plattform, die für viele Jugendliche zentrale Informationsquelle und Identitätsarena ist.
Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Stuart Halls Repräsentationstheorie, die Medien als aktive Produzenten sozialer Wirklichkeit begreift: Repräsentationen erzeugen Bedeutungen und sind Teil gelebter sozialer Praxis. In diesem Verständnis sind mediale Bilder von Männlichkeit nicht bloße Abbilder einer manifesten „Realität“, sondern Elemente eines Diskurses, der Geschlecht normiert, legitimiert oder infrage stellt. Darauf aufbauend werden Connells Konzept hegemonialer Männlichkeit und dessen zeitgenössische Fortschreibungen dargestellt und zur maskulinistischen Praxis abgegrenzt. Ein Überblick über Forschung zu rechter Geschlechterpolitik, affektorientierten Kommunikationsstrategien und der „manosphere light“ auf TikTok ordnet das Thema in den aktuellen wissenschaftlichen Kontext ein.
Empirisch analysiert die Arbeit neun TikTok-Videos der AfD-Politiker Maximilian Krah, Ulrich Siegmund und Miguel Klauß mithilfe einer Filmanalyse nach Mikos auf der Inhalts- und Repräsentationsebene sowie auf der diskursiven Ebene.
Die Ergebnisse zeigen, dass alle drei Politiker ein strikt binäres und biodeterministisches Geschlechtsverständnis reproduzieren. Frauen werden primär als schutzbedürftig dargestellt, während Männlichkeit in industriegesellschaftlichen Rollenbildern verortet wird. Dies erfolgt durch eine starke Abgrenzung zu als bedrohlich inszenierten migrantischen Männern sowie zu alternativen Männlichkeitsentwürfen. Offen maskulinistische Narrative treten nicht auf. Dennoch stabilisieren die Videos traditionelle industriegesellschaftliche hegemoniale Männlichkeitsentwürfe und tragen so zur Normalisierung eines „manosphere light“-Diskurses bei. Die affektive Aufladung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch die Konstruktion von Bedrohungs- und Krisenszenarien sowie die Nutzung der multimodalen Strukturen TikToks spielen dabei eine zentrale Rolle.
Die Arbeit zeigt damit, wie TikTok als politischer Resonanzraum zur Reproduktion rechter Männlichkeitsproduktion und -normalisierung wird – insbesondere in einer jungen Zielgruppe, in der die AfD bereits hohe Zustimmung erzielt.