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Die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche in der Berichterstattung deutscher Printmedien

Eine quantitative Inhaltsanalyse

Die Art und Weise, in der Gesundheitsthemen medial gerahmt werden, kann die Einstellungen der Rezipierenden und darüber hinaus die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflussen (Burningham & James, 2022; Matthes, 2014; Woodruff, 2019). Wie Schwangerschaftsabbrüche medial ausgehandelt werden, kann deren Wahrnehmung entsprechend formen, was nicht nur politische Folgen nach sich ziehen, sondern sich auch in individuellen Situationen auf das Entscheidungsverhalten Betroffener auswirken kann (Purcell et al., 2014; Woodruff, 2019). Ziel dieser Studie ist daher die Untersuchung der medialen Darstellung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die hier durchgeführte quantitative Inhaltsanalyse ordnet sich dabei im Bereich der themenspezifischen Frames ein und legt das theoretische Gerüst des Framing nach Entman (1993) zugrunde.

Untersucht wurden insgesamt 205 Artikel der vier überregionalen deutschen Printmedien FAZ, SZ, taz und Welt zum Thema Schwangerschaftsabbruch, die im Zeitraum vom 24.09.2021 bis zum 24.08.2022 erschienen sind. Zu deren Analyse wurde ein Codebuch entwickelt, welches acht formale und sechs inhaltliche Kategorien umfasste. Grundlage für die Kernkategorie zu den Frames der Berichterstattung waren acht von Gerhards et al. (1998) identifizierte themenspezifische Frames. Diese wurden entlang der von Gerhards et al. (1998) getroffenen inhaltlichen Definition dichotom auf ihr Vorkommen oder Nichtvorkommen codiert.

Die Ergebnisse zeigten zwei zentrale Befunde. Wurden Schwangerschaftsabbrüche erstens in ausgesprochener Deutlichkeit in einen politischen und rechtlichen Kontext eingeordnet, spielten medizinische Gesichtspunkte und Einzelfälle Betroffener nur eine marginale Rolle. Dies machte sich unter anderem an den Themen der Berichterstattung fest, welche in fast drei Vierteln der Artikel politischer und allen voran rechtlicher Natur waren. Des Weiteren traten politische als auch rechtliche Quellen mehr als doppelt so häufig auf wie medizinische Akteure. Zweitens entwickelte sich die mediale Debatte über Schwangerschaftsabbrüche von einem pro-life-Diskurs (Ferree et al., 2002) zu einem pro-choice-Dialog, wobei allen voran das Recht der Frau auf körperliche Selbstbestimmung von zentraler Bedeutung ist. Dies zeigte sich besonders stark an der Häufigkeit des Auftretens des Frames „Selbstbestimmung der Frau“, welcher in der hier untersuchten Berichterstattung herausstach. Bei Gerhards et al. (1998) belegte dieser Deutungsrahmen dagegen nur den fünften von acht Rängen. Zwar erwies sich die Berichterstattung als überwiegend neutral, im Falle einer Bewertung fiel diese allerdings viermal so häufig in eine pro-choice-Richtung wie in eine pro-life-Richtung aus. Die Befunde dieser Studie gehen damit nicht nur mit dem aktuellen Stand der Forschung einher, sondern erweitern diesen gewinnbringend. Denn das von Gerhards et al. (1998) im Zeitverlauf bereits verzeichnete deutliche Wachstum des Frames „Selbstbestimmung der Frau“ hat sich den Ergebnissen dieser Untersuchung nach stark fortgesetzt.