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Stereotyper Rechtspopulismus

Eine multimodale quantitative (Bild-)Inhaltsanalyse der Instagram-Beiträge der AfD und deren Resonanz im Vorfeld der Bundestagswahlen 2025

Die AfD ist nicht nur die prominenteste rechtspopulistische Kraft in den Parlamenten der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch die erfolgreichste Partei auf sämtlichen Social-Media-Plattformen. Bei der Bundestagswahl 2025 konnte die AfD mit 20.8 % ein historisch hohes Wahlergebnis erzielen. Wesensmerkmal rechtspopulistischer Ideologie ist die dichotome Unterteilung von Volk und Rechtspopulist*innen gegen die Eliten und Fremden – kommuniziert über textliche und visuelle Stereotype.

Ziel der Studie ist, herauszuarbeiten, 1) inwiefern die AfD rechtspopulistische Stereo- und Visiotype in ihren Instagram-Beiträgen vor der Bundestagswahl 2025 eingesetzt hat, 2) ob und wie diese sich über die Wahlkampfphasen verändert haben und 3) inwiefern diese Darstellungen mit der Nutzer*innenresonanz (Likes, Kommentare, Shares) korrelierten.

Dazu wurde eine multimodale quantitative (Bild-)Inhaltsanalyse aller Bildbeiträge (N = 161) des AfD-Bundesverbands auf Instagram zwischen dem Zeitpunkt der Auflösung der Ampel-Koalition und dem Wahltag am 23.02.2025 durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den Beiträgen die Selbstinszenierung der Rechtspopulist*innen (meist Alice Weidel) als volksnahe Retter*innen dominierte. Das Volk wurde textlich zumeist als Opfer stereotypisiert. Die Eliten (meist CDU/CSU) wurden als volksfern und die Fremden als kriminell, insgesamt jedoch weniger häufig verallgemeinert. Die weniger häufig eingesetzten Visiotype zeigten ein weitgehend kongruentes Muster. In der heißen Wahlkampfphase nahm besonders die positive Stereo- und Visiotypisierung des Volkes als tugendhafte und moralisch überlegene Einheit zu. Signifikant positiv mit der Nutzer*innenresonanz hingen die Beiträge zusammen, die die Rechtspopulist*innen als volksnah und die Fremden als kriminell stereotypisierten. Die Stereotypisierung des Volkes und der Rechtspopulist*innen als Opfer sowie die Visiotypisierung des Volkes als moralisch überlegen korrelierten hingegen negativ mit der Resonanz.

Die Befunde deuten darauf hin, dass die AfD vor der Bundestagswahl 2025 die rechtspopulistische Ideologie insbesondere durch die Darstellung der Opfer-Retter-Beziehung des bedrohten Volkes und den volksnahen Rechtspopulist*innen – mit einer Positivierung des Volkes in der Endphase – verbreitete. Dieses Muster weist auf eine moderate regierungsfähige Selbstinszenierung hin, ohne jedoch auf ausgrenzende Inhalte zu verzichten. Die gewonnenen Erkenntnisse schärfen das Verständnis rechtspopulistischer Online-Kommunikation in Wahlkampfphasen, geben retrospektiv Hinweise auf die Kommunikationsstrategie und die politischen Ziele der AfD und können dazu beitragen, den Erfolg der Partei (in den sozialen Medien) besser zu verstehen.