Mit dem digitalen Strukturwandel von Öffentlichkeit haben sich nicht nur Medialisierung und Digitalisierung beschleunigt, sondern auch wirtschaftliche Konzentration und privatwirtschaftliche Kontrolle über kommunikative Infrastruktur deutlich verschärft. Jugendliche und junge Erwachsene nutzen digitale Plattformen als zentrale Informationsquelle, verfügen zugleich jedoch vielfach nicht über ausreichende Fähigkeiten, diese Medien und ihre politisch-ökonomischen Bedingungen kritisch zu reflektieren. Daraus ergibt sich der Grundgedanke dieser Arbeit: Die Auseinandersetzung mit dem digitalen Kapitalismus stellt gegenwärtig die wichtigste Herausforderung für die Medienpädagogik dar.
Die deutschsprachige Medienpädagogik wird bis heute vom handlungsorientierten Paradigma der Medienkompetenz geprägt. Auf Basis einer umfassenden literaturbasierten Bestandsaufnahme arbeitet die Arbeit strukturelle Defizite dieses Ansatzes heraus. Dazu gehören insbesondere die historische Marginalisierung von Medien- und Gesellschaftskritik, ein verflachter Kritikbegriff, die problematische Annahme eines autonomen Subjekts sowie eine zunehmende funktionale Einbindung in einen bildungsindustriellen Komplex. Die Arbeit zeigt, dass sich so zwar Mediennutzung professionalisieren lässt, jedoch keine systematische Befähigung zur Kritik wirtschaftlicher und politischer Machtverhältnisse stattfindet.
An diese Diagnose anschließend werden zentrale theoretische Erweiterungen entwickelt. Unter Rückgriff auf Ansätze u. a. von Christian Fuchs, Wolfgang Bonß sowie Oskar Negt und Alexander Kluge wird die qualitative Zielstellung kapitalismuskritischer Medienkompetenz entwickelt. Dieses denkt Kompetenz nicht nur als individuelle Fähigkeit, sondern auch als auf gesellschaftliche Möglichkeitsräume bezogen. Strukturwissen über digitale Ökonomie, die Einbettung von Öffentlichkeit in kapitalistische Verwertungslogiken sowie dialektische Wechselwirkungen zwischen Subjekt und Gesellschaft werden so integraler Bestandteil von Bildungsprozessen.
Abschließend werden exemplarische Empfehlungen zur Umsetzung in schulischen und außerschulischen Bildungsangeboten formuliert, die jungen Menschen ermöglichen sollen, ihre eigene Handlungsfähigkeit zu erweitern und souveräne wie emanzipatorische Positionierungen im digitalen Kapitalismus zu entwickeln.