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Repräsentativität im politischen Wahlkampf?

Eine quantitative Inhaltsanalyse der Polit-Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland im Bundestagswahlkampf 2025

Politische Talkshows tragen in der pluralistischen deutschen Medienlandschaft zur Meinungsbildung und politischen Bildung bei, indem sie streitbare, teils diametral entgegengesetzte Positionen in die Diskussion bringen. Besonders in den Hochzeiten des politischen Wahlkampfes konsumieren viele Wähler*innen politische Talkshows. Dabei müssen die öffentlich-rechtlichen Sender den Parteien einen demokratischen Wettbewerb ermöglichen. Besonders die Auswahl der Gäste und die Abbildung der Parteienlandschaft im Einklang mit juristischen Vorgaben stehen in einem Spannungsverhältnis zur redaktionellen Entscheidungsfreiheit.

Daher befasst sich diese Abschlussarbeit mit der Frage, welche Parteien im Bundestagswahlkampf 2025 in den Polit-Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands berücksichtigt wurden und ob die Verteilung der Parteien einer Chancengleichheit gerecht wurde.

Die Minoritäts- und Majoritätsthesen nach Jandura et al. (2019) dienen hier als theoretische Forschungsgrundlage. Erstere beschreibt, dass kleine und neue Parteien im Vergleich zu großen und etablierten Parteien eine unverhältnismäßig geringe Repräsentation erfahren, was zu einem Erhalt des politischen Status Quo führe. Die Majoritätsthese stellt dem entgegen, dass die höhere Gewichtung größerer Parteien die politische Bedeutung dieser berücksichtige und unverzerrt das Meinungsbild der Bevölkerung abbilde.

Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse durchgeführt, um die Repräsentation politischer Parteien in öffentlich-rechtlichen Talkshows, zu erforschen. Dabei werden die Gäste der fünf größten öffentlich-rechtlichen Polit-Talkshows nach Parteizugehörigkeit und Funktion in der Partei untersucht. Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2021 und ein Mittel der Wahlprognosen aus dem Wahlkampf 2025 werden vergleichend herangezogen.

In ARD und ZDF wird die Unionspartei im Vergleich zu ihren Ergebnissen aus 2021 deutlich überrepräsentiert, die AfD wird im Vergleich zu aktuellen Umfragen des Untersuchungszeitraums und zum Ergebnis aus 2021 in der ARD und im ZDF deutlich unterrepräsentiert. Kleine Parteien werden im Abgleich zum Mittel der Umfragen von 2025 in der ARD leicht überproportional, im ZDF leicht unterproportional eingeladen. Sowohl die ARD als auch das ZDF weisen in ihren politischen Talkshows im Bundestagswahlkampf 2025 teils deutliche Abweichungen vom Prinzip der (abgestuften) Chancengleichheit auf.  Lediglich bei der „AfD“ kann die Minorisierungsthese Anwendung finden. Jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass die Unterrepräsentation der AfD auch im Kontext ihrer derzeit ausgesetzten Neubewertung des Verfassungsschutzes interpretiert werden muss. Der öffentlich-rechtliche Umgang mit der AfD im Falle der Bestätigung genannter Neubewertung sollte zudem Teil zukünftiger medienrechtlicher und demokratietheoretischer Diskussion und Forschung sein.