Im Deutschen Bundestag sind Frauen noch heute unterrepräsentiert. Auch die Verteilung politischer Ämter folgt in Deutschland teilweise geschlechterstereotypischen Mustern. Die Medienberichterstattung kann zu der Reproduktion solcher Ungleichheiten beitragen, wenn politische Akteur:innen abhängig von ihrem Geschlecht unterschiedlich dargestellt werden. Orientiert an dem Media Representation Approach und der Gendered Mediation Thesis hat sich diese Forschungsarbeit deshalb mit der Frage beschäftigt: Zeigen sich Geschlechterunterschiede in der Printberichterstattung über die Minister:innen der Ampelregierung 2024?
Untersucht wurde somit die selten beachtete Berichterstattung außerhalb von Wahlkampfperioden über Kabinettsminister:innen. Der Forschungsfrage wurde mit einer manuellen quantitativen Inhaltsanalyse von 316 Zeitungsartikeln nachgegangen. Diese wurden 2024 in den Leitmedien Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und BILD veröffentlicht. Die Stichprobe kombiniert eine Quotierung nach Minister:innen und Medium mit einer Zufallsauswahl.
Mittels linearer, multipler Regressionen und nicht-parametrischer Tests wurde unter anderem geprüft, ob in der Berichterstattung über Ministerinnen häufiger personenbezogene Aspekte (wie Geschlecht, Aussehen oder Privatleben) thematisiert wurden und in der Berichterstattung über Minister eher politische Sachthemen (wie Wirtschaft oder Gesundheit). Zudem wurde analysiert, ob Geschlechterunterschiede in der Thematisierung und Zuschreibung unterschiedlicher Persönlichkeitseigenschaften sowie in der Bewertung von Kompetenzen in politischen Sachthemen bestehen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Printberichterstattung über die Minister:innen der Ampelregierung größtenteils keinen Geschlechterunterschieden unterlag. Entgegen der Hypothese wurde jedoch das Privatleben von Ministern stärker thematisiert als das ihrer Kolleginnen. Zudem wurden häufiger die Persönlichkeitseigenschaften von Politikern als von Politikerinnen dargestellt. Diese Unterschiede sind signifikant, jedoch als gering zu interpretieren. Die Kontrollvariablen ‚Parteizugehörigkeit‘ und ‚Medium‘ konnten hingegen als bedeutendere Einflussfaktoren ausgemacht werden, die häufiger signifikante Effekte aufwiesen. Beispielsweise wurden Minister:innen der FDP eher stereotypisch weibliche Eigenschaften abgesprochen als Minister:innen der Grünen – ein Hinweis auf Trait Ownership.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Geschlecht in der Berichterstattung über Kabinettsminister:innen außerhalb von Wahlkampfperioden eine geringere Rolle spielt als angenommen. Damit liefern sie einen wichtigen Anknüpfungspunkt für weitere Forschung zur Entwicklung geschlechterbezogener Darstellungsweisen in der politischen Kommunikation und Gewöhnung an Politikerinnen.