Die Bachelorarbeit untersucht mit einer quantitativen Inhaltsanalyse, wie nicht-binäre Personen in deutschen überregionalen Tageszeitungen dargestellt werden und inwieweit dabei Prinzipien geschlechtergerechter Sprache berücksichtigt werden. Analysiert wurden 61 Online-Artikel der taz, Süddeutschen Zeitung, Welt, FAZ und Bild zur Berichterstattung über die nicht-binären prominenten Personen Kim de l’Horizon und Nemo. Zunächst wurde erfasst, wie häufig verschiedene sprachliche Mittel zur Markierung von Geschlechtsidentität verwendet werden, anschließend wurden die Ergebnisse anhand der Kriterien geschlechtergerechter Sprache überprüft.
Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Forschung zu geschlechtergerechter Sprache, ergänzt durch Michel Foucaults Diskurstheorie, Judith Butlers Konzept der Performativität von Geschlecht sowie die queere Linguistik, die die Wechselwirkung von Sprache und Wirklichkeit hervorheben.
Die Analyse zeigt, dass deutsche Leitmedien bei der Darstellung nicht-binärer Personen vor allem auf geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen und den Verzicht auf Pronomen oder die Verwendung des Namens anstelle von Pronomen als sprachliche Strategie zurückgreifen, während Sonderzeichen kaum vorkommen. Auch neue nicht-binäre Pronomen (z.B. „dey/dem”) spielen in der Berichterstattung nahezu keine Rolle, was auf einen zurückhaltenden Umgang mit innovativen gendergerechten Vorschlägen hinweist. Innerhalb einzelner Artikel erfolgt die Bezeichnung der Personen zwar überwiegend konsistent, dennoch kommt es in mehr als der Hälfte der Beiträge zu Misgendern, was den Prinzipien geschlechtergerechter Sprache widerspricht. Dabei weisen konservative Medien größere Defizite als progressive auf. Zudem zeigen die Redaktionen bei der Verwendung von neutralen Sprachmethoden entgegen den Forderungen der geschlechtergerechten Sprache bisher wenig Variation und Kreativität. Durch die Thematisierung der nicht-binären Identität von Nemo und Kim de l’Horizon in einem Großteil der Beiträge tragen die Redaktionen zu deren Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit bei.
Insgesamt wird deutlich, dass die untersuchten Medien theoretische Ansätze und bestehende Leitfäden nur unzureichend umsetzen und teilweise unsicher mit der Versprachlichung nicht-binärer Personen umgehen. Damit besteht weiterhin Verbesserungsbedarf, um den Anspruch eines diskriminierungsfreien Sprachgebrauchs im Sinne gendergerechter Sprache zu erfüllen.