Diese Bachelorarbeit untersucht das Framing des Klimawandels in der Kommunikation europäischer Energieunternehmen und welche Stakeholdergruppen sie dabei adressieren. Den Ausgangspunkt bildet das Pariser Abkommen von 2016, welches durch neue regulatorische Vorgaben und steigenden öffentlichen Druck einen strategischen Wandel in emissionsintensiven Branchen auslöste, unter anderem in der Kommunikation.
Um Veränderungen in der Klimawandel-Kommunikation zwischen 2016 und 2024 feststellen und untersuchen zu können, wurde eine quantitative Inhaltsanalyse von 142 englischen Pressemitteilungen der europäischen Energieunternehmen E.ON (Deutschland) und Enel (Italien) durchgeführt. Ziel der Arbeit ist es, ein tieferes Verständnis für die Anpassung der Klimawandel-Kommunikation an bestimmte Zielgruppen zu erlangen sowie die Nutzung und Entwicklung verschiedener Frames festzuhalten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Energieunternehmen sich tendenziell als proaktive Lösungsanbieter darstellen und weniger die Auswirkungen des Klimawandels oder ihre Verantwortung adressieren. Im Vordergrund stehen Stakeholder Engagement, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Frames Stakeholder-Engagement und die wirtschaftliche Konsequenzen des Klimawandels wurden zunehmend kombiniert und richten sich an primäre Stakeholder. Die Frames Verantwortung und Nachhaltigkeit wurden dagegen zunehmend getrennt voneinander verwendet. Dies deutet auf eine wachsende Betonung des Unternehmens als nachhaltiger Treiber von Klimamaßnahmen hin, ohne dabei Verantwortung für frühere Entscheidungen zu übernehmen. Klimapolitik und Verantwortungsübernahme richteten sich an sekundäre Stakeholder. Zusätzlich konnten signifikante Unterschiede zwischen den untersuchten Energieunternehmen festgestellt werden.
Obwohl die klimabezogene Kommunikation nach dem Pariser Abkommen zunächst zunahm, wurde nach 2022 ein starker Rückgang der expliziten Nennung des Klimawandels festgestellt. Dies belegt die anhaltenden Veränderungen im Diskurs über den Klimawandel und zeigt, wie Energieunternehmen ihre Kommunikationsstrategien zum Klimawandel neu ausrichten. Es wirft Fragen zum langfristigen Engagement, zum aktuellen europäischen Klimadiskurs und zur Klimawandel-Müdigkeit auf. Die Arbeit trägt zum Verständnis der sich entwickelnden Framing-Strategien im Energiesektor bei und zeigt, wie diese Strategien als Reaktion auf die Erwartungen der Stakeholder, regulatorische Änderungen und den öffentlichen Diskurs über den Klimawandel angepasst werden.