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Erklärung von Planetary Health-bezogenem Ernährungsverhalten

Empfehlungen für theorie- und evidenzbasierte Gesundheitskampagnen auf Basis bestehender Vorstellungen junger Erwachsener in Deutschland

Eine unausgewogene Ernährung beeinflusst nicht nur die Gesundheit des Menschen, sondern auch die Gesundheit der Umwelt. Sie fördert ernährungsbedingte Krankheiten und gilt als Treiber des Klimawandels. Obwohl die Planetary Health Diet (PHD) ein großes Potenzial zur Verbesserung der menschlichen sowie planetaren Gesundheit aufweist, weicht die Ernährung der deutschen Bevölkerung erheblich von den Leitlinien ab. Es stellt sich die Frage, wie die PHD durch kommunikative Maßnahmen gefördert werden kann. Diese Masterarbeit untersucht deshalb, wie sich das Ernährungsverhalten theoretisch erklären lässt, um daraus Kampagnenempfehlungen abzuleiten. Die theoretische Grundlage liefern die Theory of Planned Behavior (Ajzen) und das Health Belief Model (Rosenstock), wobei die Theorien in einem forschungsleitenden Modell kombiniert werden.

Mittels qualitativer teilstandardisierter Leitfadeninterviews (N = 12) wurden Vorstellungen zu den Auswirkungen einer unausgewogenen Ernährung im Allgemeinen sowie der Ernährung gemäß der PHD im Speziellen ermittelt. Da Ernährungsgewohnheiten insbesondere im jungen Erwachsenenalter geformt werden, wurden Personen im Alter von 18 bis 27 Jahren befragt. Die Interviews wurden computergestützt transkribiert und in einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.

In den Interviews konnte eine Vielzahl an Vorstellungen identifiziert werden, wobei sich aus den Befunden folgende Empfehlungen für Botschaften und den Kanal von Gesundheitskampagnen ableiten lassen: Inhaltlich könnte es vielversprechend sein, den Fokus auf die gesundheitlichen Vorteile der PHD zu legen – primär für die eigene Gesundheit, aber auch für die Umwelt. Zudem gilt es, die wahrgenommenen Einschränkungen abzuschwächen und zu betonen, dass die PHD keinen Verzicht bedeutet. Außerdem könnte es sich lohnen, Informationsbarrieren abzubauen und Wissen zur PHD zu vermitteln. Hinsichtlich des Medienkanals stellte sich heraus, dass die Zielgruppe auf Instagram besonders gut zu erreichen ist. Neben Implikationen für die Kampagnenplanung liefert die Arbeit eine Spezifikation des forschungsleitenden Modells. Das Young Adult Planetary Health Nutrition Model fasst die im Kontext der PHD identifizierten Einflussfaktoren zusammen und kann als theoretisches Fundament für weitere Studien dienen.