Die Frauenzeitschrift Für Dich war eine der meistgelesenen Zeitschriften der DDR. Im Zuge der Umbrüche im ostdeutschen Pressemarkt ab 1989 wurde sie – wie nahezu alle Presseprodukte – eingestellt. Besonders Journalistinnen waren im Rahmen dieser Umstrukturierungen großen Herausforderungen ausgesetzt. Die Masterarbeit untersucht, wie sich der Umbruch 1989 auf das Leben der Für Dich-Journalistinnen ausgewirkt hat, was Veränderungen der Arbeitsbedingungen in der Redaktion, die weitere berufliche Laufbahn der Redakteurinnen, sowie Veränderungen in ihrem journalistischen Selbstverständnis und ihre Einbringung in den Nachwendejournalismus, einschließt.
Basierend auf der Habitus-Kapital-Feld-Theorie Pierre Bourdieus wurden Leitfadeninterviews mit ehemaligen Redakteurinnen geführt.
Die Ergebnisse beinhalten eine Feldanalyse der Für Dich und eine Kollektivbiografie der dort tätigen Journalistinnen. Die Feldanalyse ermittelt zwei bestimmende Faktoren für die Für Dich: die spezifische Feldlogik durch den Fokus auf Frauen sowie die Bedeutung des Miteinanders unter den Akteurinnen des Feldes. Diese Faktoren prägten auch das journalistische Selbstverständnis der Redakteurinnen, das sie in den Nachwendejournalismus miteinbrachten.
Die Kollektivbiografie der Für ´Dich-Journalistinnen umfasst Aufwachsen und Ausbildung in der DDR, Wirken bei der Für Dich sowie den Arbeitsalltag im Mediensystem des vereinigten Deutschlands. Der Umbruch 1989 äußerte sich für die Redakteurinnen als maßgebliches Schlüsselereignis. Dabei hatten vor allem die Frauen Chancen auf dem Nachwendearbeitsmarkt, die früh Schritte in neue redaktionelle Felder und das journalistische Feld der BRD setzten. Wichtig hierfür waren journalistisches Kapital sowie das Interesse, den journalistischen Handlungsspielraum im Feld des vereinigten Deutschlands ausbauen zu wollen. Ost-Habitus-Dispositionen, die für die Journalistinnen zunächst einen Nachteil bedeuten konnten, wandelten sie in journalistisches Kapital um. Als hilfreichste Ressource erwies sich soziales Kapital in Form von Netzwerken.
Das Ende der Für Dich steht für eine verpasste Chance für den Frauenjournalismus und einer verknüpften Ost-West-Frauenbewegung. Jedoch bieten die Journalistinnen als mediales Erbe der DDR einen reichen Erfahrungsschatz in zwei journalistischen Feldern.