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Audio-News für Eskapist:innen

Strategien und Handlungsansätze öffentlich-rechtlicher Hörfunk- und Audioangebote zur Ansprache junger, nachrichtenmüder Zielgruppen mit journalistischen Nachrichten- und Informationsinhalten

Junge Menschen nehmen die Berichterstattung zunehmend als belastend, überfordernd und wenig alltagsrelevant wahr. In der Folge breitet sich in dieser Zielgruppe eine Nachrichtenmüdigkeit aus, die einen Teil von ihnen dazu bewegt, entsprechende Informationsangebote aktiv zu vermeiden. Dieses Verhalten wird in der Forschungsliteratur unter dem Begriff News Avoidance gefasst. Begünstigt wird das Phänomen durch gewandelte, stärker beiläufige Mediennutzungspraktiken jüngerer Generationen sowie durch journalistische Vermittlungslogiken, die sich nur unzureichend an den veränderten Publikumsbedürfnissen orientieren.

Diese Entwicklungen stellen insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor zentrale Herausforderungen. Sein Informationsauftrag verpflichtet ihn, alle Bevölkerungsgruppen unabhängig und hochwertig mit Nachrichten zu versorgen und so eine informierte Öffentlichkeit zu sichern. Die Abkehr junger Menschen gefährdet damit nicht nur die Legitimation öffentlich-rechtlicher Medien, sondern auch die Voraussetzungen demokratischer Teilhabe der nachfolgenden Generationen. Parallel verliert der lineare Hörfunk beim jungen Publikum an Reichweite, während Podcasts als Nachrichtenquelle an Bedeutung gewinnen. Das alltagsintegrierte Audiomedium bietet dabei besonderes Potenzial für eine zielgruppengerechte Ansprache. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit, wie öffentlich-rechtliche Hörfunk- und Audioangebote ihre Nachrichtenvermittlung gestalten und weiterentwickeln, um junge Menschen im Kontext von News Avoidance anzusprechen. Dazu wurden elf leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Redaktionsverantwortlichen öffentlich-rechtlicher Audio-Nachrichtenangebote durchgeführt und mittels einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Redaktionen ihrem jungen Publikum ein grundsätzliches Nachrichteninteresse zuschreiben und dessen selektive Vermeidung als Schutzreaktion auf eine als belastend erlebte Krisen- und Konfliktberichterstattung sowie auf die Informationsfülle digitaler Feeds deuten. Als gemeinsames Leitprinzip richten sie ihre Themenauswahl an der Lebenswelt der jungen Zielgruppe aus und ordnen klassische Nachrichtenkriterien diesem Bezug unter. Ergänzend setzen sie auf eine verständliche, publikumsnahe und konstruktive Vermittlung, deren Grenzen sie kritisch reflektieren. Wie sie diese Ansätze ausgestalten, unterscheidet sich entlang der Formatgrenze zwischen Hörfunk und Podcast. Die Umsetzung dieser Strategien ist dabei an institutionelle Rahmenbedingungen gebunden, die zugleich die Erreichbarkeit der jungen Zielgruppe mitprägen.

Aus den Befunden werden Handlungsempfehlungen für öffentlich-rechtliche Audioangebote abgeleitet. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zum Verständnis journalistischer Strategien im Umgang mit News Avoidance und bietet Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung zielgruppengerechter Nachrichtenvermittlung.