Die Funktionsweisen von internationalen Organisationen werden seit Jahren kontrovers diskutiert. Im Raum stehen hier einerseits Vorwürfe gegen die internationalen Organisationen und ihre Effektivität im Rahmen von Menschenrechtsverletzungen. Dabei stellen einige Länder aus dem globalen Süden deren Gerechtigkeitsmechanismen infrage, wenn es darum geht, Menschenrechtsverletzungen von Demokratien transparent zu untersuchen, und sprechen hier häufiger von einer sogenannten Doppelmoral des Westens. Auf der anderen Seite hat sich gezeigt, dass Länder aus dem globalen Norden schnell auf Menschenrechtsverletzungen aus dem globalen Süden reagieren, diese verurteilen und sich hierbei besonders auf Berichte und Erkenntnisse von internationalen Organisationen beziehen. Wiederum werden diese Institutionen teilweise scharf kritisieren, wenn verbündeten Staaten aus dem Nordern Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.
Diese Arbeit untersucht die mediale (De-)Legitimation des Internationalen Gerichtshofs (IGH) im Kontext der Völkermordanklage Südafrikas gegen Israel und analysiert dabei die Berichterstattung zweier internationaler Nachrichtenmedien: The Jerusalem Post und Al Jazeera English. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Medien durch Framing-Prozesse maßgeblich zur öffentlichen Wahrnehmung und Bewertung internationaler Organisationen beitragen und somit die Legitimität oder Delegitimität solcher Institutionen beeinflussen können. Die Arbeit stützt sich auf die Framing-Theorie und untersucht, wie unterschiedliche Frame-Elemente – insbesondere ethisch-moralische-, rechtliche- und neutralitäts (De-)Legitimationskategorien – in der Berichterstattung beider Medienhäuser zur Anwendung kommen.
Im methodischen Teil erfolgt eine qualitative Inhaltsanalyse, in deren Rahmen jeweils zehn Artikel der Medienhäuser untersucht wurden, wobei die verschiedenen Framing-Strategien systematisch erfasst und verglichen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass The Jerusalem Post vor allem ethische Delegitimationsmuster verwendet, während Al Jazeera English stärker auf die rechtliche Dimension und humanitäre Aspekte fokussiert. Beide Medien bedienen sich dabei spezifischer Narrative, die entweder die Glaubwürdigkeit des IGH stärken oder dessen Autorität infrage stellen.
Die Analyse verdeutlicht, dass diametrale Darstellungen desselben Ereignisses die gesellschaftliche Polarisierung verstärken können und unterstreicht die Relevanz einer differenzierten Medienberichterstattung im Kontext internationaler Konflikte.