transfer 14(3) » Öffentliche Kommunikation

Wirtschaftsinteressenverbände in der Mediengesellschaft

Systematisierung der theoretischen Annahmen und empirischen Befunde zur Medialisierung der Kommunikationsaktivitäten bundesweit agierender Interessenverbände der Wirtschaft

Die Medialisierungsforschung behauptet, dass die Durchdringung der Gesellschaft mit Massenmedien tiefgreifende Anpassungsprozesse bei politischen Organisationen hervorruft. Für Parteien, soziale Bewegungen oder auch Parlamente sind diese Prozesse gut belegt. Interessenverbände der Wirtschaft gelten jedoch als Marginalthema und die Medialisierbarkeit ihrer Kommunikation wurde bisher wenig beachtet.[br]Es entsteht das Dilemma, dass die parteibezogenen Medialisierungsbefunde nahelegen, diese auf Wirtschaftsverbände zu übertragen. Schließlich sind die Verbände wie Parteien an der Interessensvermittlung zwischen Bürgern und Staat beteiligt. Gleichwohl ist es eine offene Frage, inwieweit eine Medialisierung der Wirtschaftsverbände stattfindet, und wie die Verbände auf die Anforderungen der Mediengesellschaft reagieren. Es drängt sich auf, das abstrakte Medialisierungskonzepts organisationsbezogener zu überprüfen.[br]Die vorliegende Arbeit systematisiert die theoretischen Annahmen und empirischen Befunde zur Medialisierung deutscher Wirtschaftsinteressenverbände. Sie vergleicht meta-analytisch deutsche und internationale Forschungsbefunde. Die Arbeit zeigt, dass die Verbände sich im Ausmaß ihrer Medialisierung von anderen politischen Organisationen unterscheiden, und welche organisationalen Charakteristika ihre „Medialisierbarkeit“ bedingen und moderieren. Die Systematisierung des derzeitigen Forschungsstandes deckt somit Defizite und Perspektiven für die zukünftige Forschung auf.