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Audionachrichten für Kinder – Welche Herausforderungen gibt es und wie gehen Journalistinnen und Journalisten im Arbeitsalltag mit diesen um?

Eine qualitative Untersuchung anhand von Leitfadeninterviews.

Kinder haben ein Recht auf Nachrichten. Trotzdem sind vor allem Audionachrichten für Kinder in der Forschung stark unterrepräsentiert. Deshalb identifiziert diese Masterarbeit die Herausforderungen, vor denen Journalistinnen und Journalisten stehen, wenn sie Audionachrichten für Kinder produzieren.

Als Methode wurden qualitative Leitfadeninterviews gewählt, um herauszufinden, wie Journalistinnen und Journalisten mit diesen Herausforderungen im Arbeitsalltag umgehen. Befragt wurden 13 Redakteurinnen und Redakteure, die nachweislich Audionachrichten für Kinder schreiben und präsentieren, oder dies in der Vergangenheit getan haben. Die Befragten arbeiten für folgende öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten: Bayerischer Rundfunk, Deutschlandradio, Norddeutscher Rundfunk, Saarländischer Rundfunk und Westdeutscher Rundfunk. Ziel der Arbeit ist es, einen ersten Überblick zu geben und eine Grundlage für nachfolgende Studien zu bilden.

Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren unterscheiden sich je nach Alter, Herkunft, individuellen Talenten und Förderung stark bezüglich ihrer kognitiven Entwicklung sowie ihrer Interessen und Wissensstände. Gleichzeitig reagieren sie sensibel darauf, wenn sie sich nicht ernst genommen fühlen. Es ist also schwierig, alle Kinder der Zielgruppe gleichermaßen zu erreichen. Kinder wollen von Nachrichten informiert, aber zur gleichen Zeit unterhalten werden. Dies scheint sich auf den ersten Blick auszuschließen, da Nachrichten in der Regel eher negative Themen behandeln. Außerdem können harte Fakten über Kriege, Katastrophen oder Attentate Kinder verängstigen. Dementsprechend muss bei harten Themen eine besondere Sensibilität an den Tag gelegt werden.

Die befragten Journalistinnen und Journalisten sind sich dieser Herausforderungen bewusst. Sie versuchen, die Sprache in den Nachrichten einfach und umgangssprachlich zu halten. Gleichzeitig können Audionachrichten für Kinder dem konstruktiven Journalismus zugeordnet werden: Die Geschehnisse werden eingeordnet, bei negativen Nachrichten werden Lösungsvorschläge gegeben. Negative Themen werden vor allem dann behandelt, wenn sie allgegenwärtig sind und die Kinder sie in ihrer Lebenswelt mitbekommen. Ansonsten werden vorzugsweise Themen ausgewählt, die nah an der Erfahrungs- und Lebenswelt der Kinder sind. Wenn es thematisch passt, werden je nach Sendeformat auch unterhaltsame Elemente eingebaut. Nachrichten für Kinder werden eher erzählt als vorgetragen. Dafür stellen sich die Redakteurinnen und Redakteure teilweise ein spezielles Kind oder eine Gruppe von Kindern vor. In den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten spielt der Kinderhörfunk in der internen Marktforschung eine untergeordnete Rolle. Deshalb ist der direkte Kontakt zur Zielgruppe für die befragten Redakteurinnen und Redakteure besonders wertvoll.